‘Schalalalalalalalaaaaaa Borussia’ – um 22:24 Uhr besangen tausende Kehlen mit der Mannschaft den Heimerfolg gegen Eintracht Frankfurt. Es war der sechste Heimsieg in Folge, der dritte in dieser Spielzeit. Der entscheidende Faktor war am Ende die konsequente Chancenverwertung des VfL im zweiten Durchgang.

Mit Spielbeginn standen zunächst die Fans im Mittelpunkt, die sich mit tausenden Trillerpfeifen, die vorab in der Nordkurve verteilt wurden, ordentlich Gehör verschafften, um ihren Unmut gegenüber den Spieltagsansetzungen und verzerrten Anstoßzeiten kundzutun. Die Mannschaft war darüber im Vorfeld informiert worden und wusste Bescheid, dass sich der Protest nicht gegen sie richtete.

»Kann jeden Fan verstehen« 

»Beim Aufwärmen habe ich mich gefragt, ob man überhaupt noch den Pfiff vom Schiri hört. Aber das hat gut geklappt und man konnte es ausblenden«, verriet Florian Neuhaus nach Spielende. Auch Christoph Kramer äußerte sich: »Ich kann jeden Fan verstehen, der seinen Unmut rauslässt. Das so zu tun, sei mal dahin gestellt, weil es am langen Ende auch nichts bringt. Man kann so viel protestieren wie man will, es wird sich leider nichts ändern, aber ich kann wie gesagt jeden Fan verstehen. 

Präsenz in den Zweikämpfen

Die Borussen ließen sich vom Pfeifkonzert nicht irritieren und machten sofort Alarm, während die Eintracht darauf bedacht war, sich hinten reinzustellen und möglichst wenig zuzulassen. Das Team von Dieter Hecking war, anders als in Berlin, vor allem in den Zweikämpfen deutlich aggressiver und entschied in der Anfangsphase 67 Prozent der direkten Duelle für sich. »Wir wollten das, was wir in Berlin nicht so gut gemacht haben, heute besser machen. Ich denke, das ist uns heute gelungen. Wir standen sehr kompakt. Wir wollten in den Zweikämpfen präsenter sein und bei langen Bällen und dem zweiten Ball hellwach sein«, so Neuhaus. 

Viele Facetten im Spiel

Denn die Eintracht fand wenig Gegenmittel und versuchte es mit langen Bällen auf Haller, die die Borussen konzentriert verteidigt bekamen. »Da passiert dann immer was beim zweiten Ball, aber das hatten wir meiner Meinung nach sehr gut im Griff. Dann hatten wir gute Umschaltmomente und Phasen, wo wir mit Ruhe und mal mit Druck hinten raus gespielt haben. Deshalb hatte unser Spiel heute viele Facetten und wir haben verdient gewonnen«, unterstrich Kramer.

Doch in der ersten Hälfte wollte es trotz guter Chancen für Ginter, Plea und einem Fernschuss von Neuhaus noch nicht mit dem Torerfolg klappen. »Ab der 25. Minute sind wir immer besser ins Spiel gekommen und hatten auch die eine oder andere Möglichkeit gehabt, die wir leider nicht genutzt haben. Da fehlte noch der entscheidende Pass und die letzte Konsequenz, um schon in der ersten Halbzeit erfolgreich sein«, bilanzierte Hecking. 

»Wollten eine Welle auf Frankfurt aufbauen«

Seine Mannschaft bekam mit dem Pausentee einen klaren Auftrag an die Hand. »Wir haben in der Pause gesagt, dass wir eine Welle auf die Abwehr von Frankfurt aufbauen und es schaffen müssen, fünf, sechs, sieben Angriffe im höchsten Tempo nacheinander durchzuspielen. Genau in dieser Phase machen wir dann das Tor«, so Hecking, der das Tor von Plea ansprach, der die Kugel aus spitzem Winkel ins Gehäuse nagelte. »Er hat gezeigt, dass ein Stürmer im Strafraum nicht lange überlegen. Aber den Ball dann aus so einem so unmöglichen Winkel reinhauen – das macht nicht jeder. Das hat uns viel Luft gegeben.«

»Unfassbare Qualitätt«

Lob für den Franzosen gab es auch von Christoph Kramer. »Das ist eine unfassbare und kostbare Qualität im Fußball, wenn einer aus dem Nichts Tore machen kann. Die Situation, die er hatte, war eigentlich kein Tor und er hat trotzdem eines gemacht«, so der 27-jährige, der lachend ergänzte: »Ich bin auch einer, der aus dem Nichts Tore machen kann, aber dann eher so alle zweieinhalb Jahre.« 

Das 2:0 blieb dann Thorgan Hazard vorbehalten, der in der ersten Hälfte den Ball bereits in aussichtsreicher Position am Fuß hatte und sich dann entschied, den Ball nochmal zum Mitspieler zu legen. »Die Mannschaft hat mir in der Halbzeit gesagt, dass ich schießen muss. Das hatte ich dann im Kopf«, so Hazard, der auf Vorarbeit von Florian Neuhaus in der 65. Spielminute seinen zweiten Saisontreffer erzielte. 

»Blödes Gegentor«