Kopfkratzen. Haris Tabaković ist seit drei Spielen ohne Treffer, die Borussen-Offensive insgesamt harmlos. Foto: Dirk Päffgen
Der Sieg gegen den FC St. Pauli war für Borussia zweifelsfrei ein wichtiger. Doch zeigte die Leistung der Borussen auch, wieso sie trotz der drei Punkte in den kommenden Wochen anders auftreten müssen. Unsere VollGAS-Analyse, präsentiert von unserem Partner, der Kessels GmbH – Schweißen & Gase aus Mönchengladbach.
Zwar die meisten, aber nicht alle Zuschauer, waren zufrieden mit der Leistung von Borussia Mönchengladbach beim 2:0-Heimsieg gegen den FC St. Pauli. Die Borussen hätten offensiv mal wieder zu harmlos agiert, so lautete der Vorwurf, für den sich Sportchef Rouven Schröder nach dem Spiel »nicht entschuldigen« wollte – zurecht. Denn alles, was für Gladbach derzeit zählt, sind Punkte. Allein für die Psyche tut der Sieg gegen St. Pauli gut.
Gladbachs unwahrscheinlich gute Treffer
Etwas dran ist aber an der Kritik, die sich bereits seit Monaten hartnäckig hält und sich vor allem an Borussias Offensivschwäche richtet. Im rheinischen Derby wird Borussia vermutlich nicht mit einer Leistung wie gegen St. Pauli punkten können, zumindest nicht dreifach. Nur zehn Torschüsse gelangen den Borussen im ganzen Spiel, die ebenfalls weitgehend harmlosen Gäste hatten immerhin acht. Auf den ersten Blick irritiert der xGoals-Wert von 0,64 bei Borussia angesichts der zwei Treffer, doch liegt das daran, dass der Freistoß von Kevin Stöger nur 0,07 Punkte zu dieser Statistik beigetragen hat und auch Franck Honorats Treffer mit einer Wahrscheinlichkeit von gerade einmal 6 Prozent in die Kategorie „überraschend“ fällt.
Immerhin, so werden die Borussen argumentieren, hat es diesmal für einen Sieg gereicht, und damit haben sie erstmal Recht. Angesichts der weiteren Statistiken zum Spiel gibt es dennoch Grund zur Sorge. Mal wieder hatte die Elf von Eugen Polanski weniger Ballbesitz, nur 40 Prozent waren es. Und selbst dann, wenn es zum Matchplan zählt, dem Gegner auch einmal den Ball zu überlassen, hätte es in einem Heimspiel gegen St. Pauli auch »ein bisschen mehr« sein dürfen. Borussia gewann zudem knapp weniger Zweikämpfe (47 Prozent), schlug nur zwei Eckbälle und vier Flanken, bei St. Pauli waren es 16. Zudem fand jeder vierte Pass keinen Mitspieler.
Offensiv harmlos, doch hinten mit Top-Wert
Angesichts der jüngsten Leistungen des kommenden Gegners im rheinischen Derby sollte all das Warnung genug sein, dass sich das Momentum schnell wieder drehen kann. Der FC Köln holte beim HSV zwar nur einen Punkt, hat sich dort aber mehr Spielanteile erarbeitet – wenn auch die Kölner offensiv zu harmlos blieben. Es könnte sich zwischen Gladbach und Köln demnach zu einer Defensivschlacht entwickeln.
Denn von ihrer Defensive lebt Borussia derzeit. Allen voran Nico Elvedi, der am Samstag überragte, darf sich für das zehnte Saisonspiel, bei dem hinten die Null stand, auf die Schulter klopfen. Und mit diesem Wert liegt Gladbach auf Platz 2 in der Bundesliga, nur der BVB hat zweimal mehr den eigenen Kasten sauber gehalten. Einmal weniger als Borussia gelang das RB Leipzig – dem Verein, dem sich Rocco Reitz in der neuen Saison anschließen wird, wie am Montag verkündet wurde.
Auch deshalb tun alle Beteiligten nun gut daran, sich auf die sportliche Zukunft Borussias zu fokussieren. Das Spiel gegen St. Pauli hat gezeigt, wie verwundbar die Elf vom linken Niederrhein nach wie vor ist.


