Für Borussia Mönchengladbach steht eine ‚ungewollte’ englische Woche auf dem Programm. Erst empfängt die Truppe von Marco Rose am Samstagabend den BVB zum Borussen-Duell, ehe vier Tage später der 1. FC Köln im Borussia-Park zu Gast ist. Holt die Fohlenelf in beiden Spielen im besten Fall die maximale Ausbeute, ist die Königsklasse ganz nah. Doch zunächst gilt es im Top-Spiel des 25. Spieltags gegen Borussia Dortmund zu bestehen. Und da wollen die Fohlen erneut eine Serie brechen.


Wenn Borussia Mönchengladbach und Borussia Dortmund am kommenden Samstag ab 18.30 Uhr im restlos ausverkauften Borussia-Park aufeinandertreffen, sind eine tolle Atmosphäre und hervorragender Support vorprogrammiert. Allerdings bleibt zu hoffen, dass es im Gegensatz zu den jüngsten Vorfällen in Bezug auf Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp ruhig bleibt und es zu keinen unrühmlichen Plakaten kommt. » Wir sind guter Dinge, dass wir am Wochenende nichts zu sehen bekommen, das unter die Rubrik Hass und menschenverachtend fällt«, sagte Markus Aretz, Direktor Medien und Kommunikation auf der Pressekonferenz am Donnerstag und begründete:  »Diesen Eindruck haben wir aus den Gesprächen mit der Fanszene.«

So hat es auch unter der Woche weitere zahlreiche Gespräche zur Aufarbeitung der bekannten Vorfälle gegeben. »Wir haben viele Gespräche mit der Fanszene geführt, die Aufarbeitung läuft«, erläuterte Aretz und fügte an: »Wir sind auch im Austausch mit der Polizei weiter dabei, Täter und Mittäter zu ermitteln. Das ist aber nicht ganz so einfach. Aktuell gibt es da keinen neuen Stand.«

Borussia stellt Ticket-Inhabern aus dem Kreis Heinsberg den Stadionbesuch frei

Ein weiteres Thema, das aktuell nahezu die ganze Welt in Atem hält, ist das Corona-Virus. Während in Italien und der Schweiz aufgrund des Virus mitunter ganze Spieltage abgesagt wurden, so zieht Deutschlands Eliteklasse seine Spiele zumindest noch durch. Zwar stand auch das Borussen-Duell kurzzeitig auf der Kippe, doch dann hat man sich nach Gesprächen mit dem Land NRW zur Durchführung entschieden. Alle Karteninhaber aus dem Kreis Heinsberg, wo der Virus stark vorbereitet ist, bekommen vom Klub den Ticketpreis erstattet und werden im Gegenzug zu einem internationalen Spiel eingeladen.

Ein toller und starker Schachzug der Borussen, die aber in Person von Markus Aretz nochmals klarstellten: »Es ist uns ganz wichtig, dass das ein Angebot von uns ist und keine Aufforderung, hier wegzubleiben. Wir möchten nicht den Eindruck erwecken, dass wir irgendjemanden bitten, nicht zum Spiel zu kommen«, unterstrich Borussias Mediendirektor und erklärte: »Nur wissen wir, dass im Kreis Heinsberg gerade eine besondere Situation vorherrscht. Da gibt es viele Gladbach-Fans, die sagen, angesichts der Lage möchte ich doch lieber nicht hingehen. Diesen Fans erleichtern wir diese Entscheidung mit dem Guddi, sie für das nächste Europa League- oder Champions League-Spiel kostenlos einzuladen.«

In den letzen beiden Duellen auf Augenhöhe

Ehe es aber soweit sein kann, gilt es erstmal auf dem grünen Rasen die Voraussetzungen für eine Teilnahme am internationalen Geschäft zu schaffen. Und da sieht es derzeit durchaus gut aus. Mit 46 Punkten und elf Punkten auf den Tabellensiebten Wolfsburg liegen die Fohlen derzeit auf Rang vier und haben eben sogar noch ein Spiel weniger.

Am Samstag kann man gegen den BVB also sein Polster weiter ausbauen. Einfach wird das gewiss nicht. Zumal der BVB gerade wieder gut in der Spur ist und zudem gegen den VfL jedes der zurückliegenden neun Ligaspiele allesamt für sich entschieden hat. »Ich glaube, sportlich waren wir in den letzten Jahren über die gesamte Saison nicht allzu weit vom BVB entfernt. Diese Serie ist natürlich nicht schön, da brauchen wir nicht drumrumreden«, sagte Max Eberl. »Aber gerade die letzten beiden Spiele waren extrem auf Augenhöhe und extrem ausgeglichen. Es waren vielleicht – wie Marco gesagt hat – noch Kleinigkeiten, die wir falsch gemacht haben. Ich würde nicht sagen, dass das Kräfteverhältnis BVB gegen BMG auch in der Tabelle 9:0 ist. In den Resultaten der letzten Jahre war es so.«

Die beiden angesprochenen Spiele des Managers: Besonders bitter war die Niederlage im vergangenen Oktober, als man im DFB-Pokal in Dortmund stark spielte und trotz 1:0-Führung noch mit 1:2 das Nachsehen hatte. Das Hinspiel in der Bundesliga gewann der BVB knapp mit 1:0. »Wenn wir in der Summe besser gewesen wären, hätten wir wahrscheinlich beide Partien gewonnen. Entsprechend müssen wir hinten raus etwas falsch gemacht haben«, sagte Marco Rose. »Diese Spiele liegen aber schon eine ganze Weile zurück und spielen in unserer aktuellen Vorbereitung keine große Rolle mehr.«

»Maximale Energie und voller Vorfreude« – mit Marcus Thuram?!

Vielmehr zählt das das Hier und Jetzt. Und dort trennen beide Klubs in der Tabelle lediglich zwei Punkte. Und die Fohlenelf ist gerade zuhause nur schwer zu knacken. In den letzten neun Heimspielen gab es 8 Siege und 1 Remis. Das Duell darf durchaus als ein solches auf Augenhöhe bezeichnet werden. »Die Aufgabe wird für uns sehr reizvoll. Es ist eine sehr starke Mannschaft mit der Ambition, Deutscher Meister zu werden«, weiß Rose, erstarrt aber natürlich nicht in Ehrfurcht: » Wir haben ein Heimspiel und wissen, wie heimstark wir diese Saison sind. Dementsprechend gehen wir mit maximaler Energie und voller Vorfreude an diese Aufgabe heran.«

Ob das auch für Marcus Thuram gelten kann, bleibt abzuwarten. Der Franzose musste unter der Woche aufgrund einer aus Augsburg mitgenommenen Kniereizung kürzer treten. »Marcus war heute wieder auf dem Platz und hat nicht voll, aber sehr ordentlich trainiert. Er ist auf einem guten Weg«, sagte Rose am Donnerstag. » Die medizinische Abteilung tut alles, um ihn bis Samstag fit zu bekommen. Wir müssen abwarten, wie sich seine Reizung im Knie entwickelt. Aber wir haben Hoffnung, dass er dabei sein kann.«

Stindl in starker Form

Ansonsten hat der 43-jährige wieder die Qual der Wahl. »Falls es nicht reicht, haben wir aber auch viele andere Jungs in guter Form«, so Rose. »Alassane Plea kam in Augsburg rein und hat das Spiel mit entschieden, Lars Stindl hat zuletzt auch oft getroffen. Es wird so oder so eine schwierige Entscheidung für mich.«

Gerade auch Borussias Kapitän ist derzeit in starker Form. Zwei Doppelpacks und eine Vorlage hat Lars Stindl in den Spielen gegen Düsseldorf und Augsburg erzielt. »Für einen Stürmer ist es immer wichtig, dass er Rhythmus bekommt, Selbstvertrauen aufbaut und Erfolgserlebnisse hat«, weiß Rose. »Jetzt fühlt sich Lars nach seiner Verletzung zum ersten Mal wieder richtig fit – entsprechend ist er erfolgreich und wir hoffen natürlich, dass sein Lauf noch etwas anhält.«

Anhalten soll auch die starke Heimserie der Borussen. Für das Top-Spiel gegen den BVB ist alles angerichtet. Man darf sich auf ein tolles Fußballspiel freuen, in dem hoffentlich auf den Rängen alles ruhig bleibt. So kann man sich den Worten von Max Ebel „nur“ anschließen.

»Wir waren in den letzten Jahren immer wieder drumherum. Dass wir jetzt da stehen zeigt, dass wir bisher eine wirklich sehr gute Saison spielen. Wir haben Lust auf mehr und Lust auf dieses Spiel am Wochenende. Wir haben gegen Dortmund zweimal auswärts spielen dürfen. Das waren jeweils fantastische Fußballspiele mit einem für uns enttäuschen Ende, weil wir verloren haben«, so Borussias Manager. »Wenn wir solche Mannschaften wie Bayern, Leipzig und Dortmund bespielen, dann wollen wir sie auch besiegen. Bisher haben sie einfach noch anderen Möglichkeiten und sind uns von den Grundvoraussetzungen einfach meilenweit voraus. Aber man sieht, was im Sport, mit guten Entscheidungen und viel Einsatz und Lust möglich ist. Das würden wir gerne auch am Samstag wieder zeigen.« Auf geht’s!