Auf dem Prüfstand: Was Polanski in Gladbach zum Verhängnis wurde

Eugen Polanski gibt bei Borussia nicht mehr die Marschrichtung vor. Foto: Dirk Päffgen

Borussia Mönchengladbach hat die Reißleine gezogen und Eugen Polanski von seinen Cheftrainer-Aufgaben entbunden. Warum die Trennung nach der 0:5-Klatsche beim SC Freiburg unumgänglich war, was Polanski zum Verhängnis wurde und was es jetzt für einen Trainer braucht. Unser Prüfstand, präsentiert vom Autohaus Waldhausen + Bürkel aus Mönchengladbach.

Es waren deutliche Signale, die die VfL-Fans nach der 0:5-Pleite in Freiburg gesendet hatten. „Wir ham’ die Schnauze voll“, skandierten sie und schickten die Spieler, die sich auf den Weg in den Gästeblock gemacht hatten, nach Schlusspfiff mit abwinkenden Gesten wieder zurück. Eine verständliche Reaktion, denn mit der dritten Niederlage in Folge und zwölf Gegentoren war das Maß einfach voll.

Das sahen dann die Verantwortlichen um Sportchef Rouven Schröder auch so und entbanden Eugen Polanski einen Tag nach der dritten Saison-Niederlage von seinen Aufgaben. Um 11.13 Uhr am Sonntagmorgen hatte der Klub die offizielle Pressemitteilung versendet. Eine Entscheidung, die unumgänglich war. 

Polanskis Punkteschnitt pro Spiel bei nur 1,10

Polanski kam in seiner Amtszeit als Cheftrainer der Profis auf einen Punkteschnitt von 1,10 Punkten pro Spiel. Selbst Vorgänger Gerardo Seoane hatte zwar marginal mehr, aber eben mehr (1,13). Seit Marco Rose (2019-2021, 1,68 Punkte pro Spiel), ging es in dieser Statistik stetig bergab: Rose-Nachfolger Adi Hütter erreichte 1,38 Punkte und Daniel Farke 1,26 Punkte pro Spiel. 

Unter Polanski sollte alles besser werden, doch sogar das Gegenteil war der Fall. Genau wie sein Vorgänger Seoane hat es das Trainer-Eigengewächs nicht geschafft, die Fohlenelf zu stabilisieren und ihr seinen Stempel aufzudrücken. Bereits in der abgelaufenen Spielzeit hatte sich das angedeutet. Der Klassenerhalt wurde nur mit Ach und Krach geschafft. Aufgrund von teilweise ordentlicher Auftritte in der Endphase der abgelaufenen Spielzeit hatte man sich dann entschieden, mit dem 40-Jährigen in die neue Saison zu gehen.

Die Quadratur des Kreises – Auch Schröder in der Pflicht

Es gab berechtige Zweifel daran, ob dies die richtige Entscheidung war. Heute kann man diese Frage mit berechtigt beantworten. Es gab keinerlei Argumente mehr dafür, noch am 40-Jährigen festzuhalten. Trotz erneuten Umbaumaßnahmen im Staff und der Mannschaft ist es ihm nicht gelungen, eine Verbesserung herbeizuführen. Rouven Schröder und die Verantwortlichen müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, warum man beim geplanten Umbruch weiter auf Polanski gesetzt hat, für den die Bundesliga (noch) eine Nummer zu groß zu sein scheint. 

Vor allem defensiv präsentierten sich die Fohlen in den ersten drei Spielen katastrophal. Aus dem zentralen Mittelfeld gab es weder Absicherung, noch entscheidende Impulse nach vorne. Ko Itakura ist bisher alles andere als die erhoffte Soforthilfe. Zwar gibt es im Vergleich zur letzten Spielzeit eine deutliche Verbesserung der Laufwerte, doch die Lücken im Verbund sind nach wie vor viel zu groß. Die „neue“ Borussia sollte in 2026/2027 attraktiven Fußball mit Tempo und Mut spielen. Das Aufbauspiel sollte deutlich vertikaler und schneller nach vorne ausgerichtet werden, um mehr Präsenz und Kompaktheit um den Ball herum zu erzeugen. Das ist in Ansätzen gelungen, aber zu Lasten einer kompakten Defensive. Die neue, offensivere Interpretation des Systems erwies sich in der Praxis als extrem anfällig und alles andere als fehlerfrei und stabil. Die Quadratur des Kreises also. 

Gladbach: Auch Mannschaft ist in der Pflicht

Die Frage muss dennoch erlaubt sein, warum die Mannschaft nach einer doch ordentlichen Vorbereitung so wie in den ersten drei Spielen aufgetreten ist. Wobei man schon sagen muss, dass es auch keinerlei Testspiele gab, in denen man so richtig gefordert wurde. Auch Europa-League-Sieger Aston Villa kam eher mit einer B-Elf daher.

Polanski hat die Kabine offenbar nicht mehr erreicht und hat es nicht geschafft, der Mannschaft seine Idee nachhaltig aufzudrücken. Selbst die Rückkehr zur Vierer-Abwehrkette brachte nicht die gewünschte und erhoffte Stabilität. Unter dem Strich war es eine Kette von vielen Gründen, die dazu geführt haben, dass eine Trennung unumgänglich war. Dazu gehört auch das unglaubliche Verletzungspech, das die Sache nicht einfacher gemacht hat. 

Der nächste „Schuss“ muss nun aber auch sitzen. Und daran wird sich auch Borussias Sportchef messen lassen müssen. Es muss ein Trainer sein, der Erfahrung und gewisse Erfolge nachzuweisen hat, der eine Truppe mitreißen und motivieren kann, der entwickeln und aus dem vorhandenen „Schröder“-Kader eine Mannschaft formen kann, die einerseits attraktiven Fußball spielt, andererseits aber eben auch die Balance zwischen Defensive und Offensive findet. Ole Werner wäre sicherlich so einer. Aber der RB-Trainer dürfte insgesamt zu teuer sein und andere Ambitionen haben. Einen weiteren Fehlgriff kann man sich in Gladbach jedenfalls nicht mehr leisten – in vielerlei Hinsicht.

Allerdings müssen sich auch die Spieler hinterfragen und ab sofort alles dafür tun, dass es besser wird. Offensichtlich scheint es ja auch innerhalb der Mannschaft nicht in Gänze gestimmt zu haben. Anders kann man die bekannten Aussagen von Kapitän Tim Kleindienst nicht einordnen. Es gibt also einiges zu tun. Zunächst sind Jan-Moritz Lichte und die Fohlen gefordert und müssen alles dafür tun, dass es im kommenden Heimspiel gegen Mainz nicht das nächste Debakel gibt und die Borussen mit einem positiven Ergebnis und neuem Coach in die dreiwöchige Länderspielpause gehen können…