Im DFB-Pokal zählt für Borussia nur das Weiterkommen. Foto: Dirk Päffgen
Der Befreiungsschlag in Stuttgart hat bei Borussia Mönchengladbach für spürbare Erleichterung gesorgt und die Stimmung vor dem Pokalduell mit dem Karlsruher SC deutlich aufgehellt. Nach Wochen der Ernüchterung ist das Selbstvertrauen zurück, doch Alexander Blessin warnte davor, sich vom jüngsten Erfolg blenden zu lassen. Trotz des Klassenunterschieds erwartet die Fohlenelf eine anspruchsvolle Aufgabe, bei der neben der nötigen Frische vor allem spielerische Lösungen gegen einen tiefstehenden Gegner gefragt sein werden. Das Ziel ist klar: Mit dem Schwung aus Stuttgart soll der Einzug ins Achtelfinale gelingen.
Der Brustlöser von Stuttgart
Wie schnell sich die Stimmung bei Borussia Mönchengladbach doch ändern kann. »Vor einer Woche herrschte noch eine regelrechte Totengräberstimmung, da war plötzlich alles schlecht«, ordnete es Alex Blessin ein. Doch der Sieg in Stuttgart sorgte für großen Jubel und enorme Erleichterung bei allen Verantwortlichen. »Jetzt werden wir nach einem Sieg schon wieder als Favorit für die nächsten Spiele gesehen. So schnell ändern sich die Einschätzungen.« Ganz so leicht möchte es sich der Coach der Fohlen aber nicht machen und mahnte trotz des Klassenunterschieds vor dem Karlsruher SC – schließlich hat der Pokal seine eigenen Gesetze.
»Natürlich könnte man allein aufgrund des Unterschieds zwischen erster und zweiter Liga davon ausgehen, dass wir Favorit sind. Aber unsere eigene Situation hat sich durch den Sieg in Stuttgart nicht grundlegend verändert. Wir müssen uns weiterhin alles hart erarbeiten. Gerade im Pokal hat man oft genug gesehen, was passieren kann, wenn man einen Gegner unterschätzt«, sagte Blessin. Er möchte sich auch nicht von der jüngsten Niederlage des KSC blenden lassen. »Der KSC hat vor der 1:6-Niederlage in Magdeburg noch mit 4:0 gegen Darmstadt gewonnen. Auch das Spiel in Magdeburg war zunächst nicht so deutlich, wie es das Endergebnis vermuten lässt. Wir wissen, dass Karlsruhe seine Qualitäten hat und unangenehm werden kann. Trotzdem haben wir den Anspruch, die nächste Runde zu erreichen.«
Für den Einzug in die nächste Runde ist mindestens eine Leistung wie am Freitagabend erforderlich, bei der die Fohlen vor allem ordentlich Kilometer abspulten. Hinzu kommt am Dienstagabend auch, dass sich die Borussia bei eigenem Ballbesitz etwas mehr einfallen lassen und das Heft in die Hand nehmen muss. Das weiß auch Blessin. »Wir werden voraussichtlich etwas mehr Ballbesitz haben und häufiger auf einen tiefstehenden Gegner treffen. Dann müssen wir Lösungen finden, um uns Torchancen zu erarbeiten. Gleichzeitig wollen wir die Art und Weise beibehalten, mit der wir zuletzt aufgetreten sind. Wir haben uns in den vergangenen drei Spielen von Gegentoren nicht aus der Ruhe bringen lassen. Die Mannschaft ist nicht eingebrochen, sondern hat weitergespielt.«
Leise Hoffnung auf Rückkehrer
Zuletzt ließ sich die Fohlenelf trotz der langen Verletztenliste auch nicht aus der Ruhe bringen. Gegen den KSC dürfen die Gladbacher zumindest auf die Rückkehr von Jens Castrop zählen, der laut Blessin »sofern nichts Unvorhergesehenes passiert, wieder im Aufgebot steht«. Kevin Diks fehlte in Stuttgart aus privaten Gründen und könnte ebenfalls wieder zurückkehren.
»Bei Isac Lidberg gehe ich davon aus, dass es bis Samstag für eine Rückkehr in den Kader reicht. Ko Itakura ist bereits wieder vollständig ins Mannschaftstraining eingestiegen und wird höchstwahrscheinlich ebenfalls am Wochenende dabei sein können. Auch bei Nicolas Kühn sieht es gut aus. Für Dienstag wäre ein Einsatz noch zu früh, aber am Samstag könnte er wieder eine Option sein. Fritz Fleck wird am kommenden Montag wieder im Mannschaftstraining erwartet«, gab Blessin ein Update.
Rotation bei den Fohlen?
Der 53-Jährige ließ es auch noch völlig offen, ob Moritz Nicolas zwischen den Pfosten steht. Dabei erstickte Blessin Zweifel an seiner Nummer eins sofort. »Es ist grundsätzlich immer eine Überlegung, im Pokal einen anderen Torhüter einzusetzen. Bei meinen bisherigen Vereinen habe ich dafür bestimmte Regeln eingeführt. Für Dienstag haben wir bereits eine Entscheidung getroffen und diese mit beiden Torhütern besprochen. Wer spielen wird, seht ihr am Dienstagabend. Unabhängig davon ist Moritz Nicolas unsere Nummer eins und wird es auch bleiben. Daran gibt es nichts zu rütteln.«
In Stuttgart gingen einige Akteure auf dem Zahnfleisch, daher könnte es sein, dass sich die Anfangself im Vergleich zum Auswärtssieg ändert. Für Blessin geht es nämlich darum, »die richtige Balance zwischen Frische und Eingespieltheit zu finden«. Er merkte zudem an: »Was die Jungs in Stuttgart an Laufleistung abgerufen haben, war auf einem sehr hohen Niveau«. Deshalb denkt er darüber nach, seine Mannschaft zu verändern. »Wenn man drei Spiele innerhalb einer Woche bestreitet, muss man natürlich überlegen, welche Wechsel sinnvoll sind und wie man die Einsatzzeiten verteilt. Wir haben dafür einen Plan ausgearbeitet und werden auf jeden Fall rotieren. Es kann auch sein, dass wir im Spiel etwas früher wechseln, um rechtzeitig frische Kräfte zu bringen.« Egal, wer im Borussia-Park auf dem Platz steht, für Borussia geht es ohne großen Schnörkel um das nächste Erfolgserlebnis und den Einzug ins Achtelfinale des DFB-Pokals.

