Niedergeschlagene Borussen nach der erneuten Niederlage gegen Hoffenheim. Foto: Dirk Päffgen
Sechs Spiele, sechs Niederlagen, null Punkte und zwanzig Gegentore. Auch gegen den Tabellenvorletzten aus Hoffenheim gab es für Borussia Mönchengladbach nichts zu holen. Der zwischenzeitliche Ausgleich durch Wael Mohya machte kurz Hoffnung, doch die Fohlen fielen wieder in alte Muster zurück. Zu passiv, zu anfällig, zu inkonsequent. Borussia bekommt ihre Probleme einfach nicht in den Griff. Unsere VollGAS-Analyse, präsentiert von unserem Partner, der Kessels GmbH – Schweißen & Gase aus Mönchengladbach
Es ist schwer, noch die richtigen Worte zu finden. Wieder eine Niederlage, wieder kein Punkt, wieder die Erkenntnis, dass es so einfach nicht reicht und nicht weitergehen kann. Borussia Mönchengladbach hat auch das Heimspiel gegen Hoffenheim verloren. Und das gegen einen Gegner, der ebenfalls alles andere als mit einer breiten Brust kam und auch unter Druck stand. Wenn selbst in einem solchen Kellerduell – noch dazu im eigenen Stadion – nichts Zählbares herausspringt, gegen wen dann? Dann müssen grundsätzliche Fragen erlaubt sein.
So reicht es nicht für die Bundesliga!
Dabei geht es nicht allein um das nackte Ergebnis. Niederlagen gehören zum Fußball, auch schlechte Phasen. Entscheidend ist aber, wie eine Mannschaft damit umgeht. Ob sie sich wehrt, ob sie aus Fehlern lernt und ob sie über 90 Minuten die Bereitschaft zeigt, alles für den Erfolg zu investieren. Genau daran fehlt es Borussia derzeit zu häufig. Den Willen kann man der Mannschaft zwar nicht absprechen, aber um es mit den Worten von Alexander Blessin zu beschreiben: Es war einfach zu wenig Energie im Spiel und auch die zwingend nötige Resilienz fehlte.
»Angsthasen-Fußball« anstatt VollGAS-Fußball
Besonders nach dem frühen Rückstand, Conté konnte in der 11. Minute in aller Ruhe einnetzen, kam von den Borussen nach vorne gar nichts. Alexander Blessin betitelte das Auftreten hinterher treffend mit »Angsthasen-Fußball«. Eine deutliche Wortwahl, die den Auftritt vor der Pause treffend beschreibt. Anstatt VollGAS zu geben, wurde seine Mannschaft nach hinten gedrängt, spielte zu häufig den Sicherheitspass und verlor den Mut, selbst die Initiative zu ergreifen.
Es sind keine komplizierten taktischen Zusammenhänge, sondern grundlegende Dinge, die in der Bundesliga sitzen müssen. Wer den Gegner gewähren lässt, Zweikämpfe nicht konsequent führt und die eigene Positionierung vernachlässigt, wird bestraft. Genau das passiert Borussia derzeit. Die Fehler sind nicht nur ärgerlich, sie werden jedes mal teuer bezahlt – und sie wiederholen sich.
VollGAS-Tor von Mohya reicht nicht
Natürlich war nach dem Seitenwechsel zunächst eine Reaktion zu erkennen. Wael Mohya, der sich wirklich reinhängte, traf zum zu diesem Zeitpunkt nicht unverdienten 1:1-Ausgleich. Borussia war plötzlich da und schien das Spiel drehen zu können. Doch die Hoffnung hielt gerade einmal fünf Minuten. Alexander Prass brachte Hoffenheim in der 54. Minute erneut in Führung. Wieder musste man einem Rückstand hinterherlaufen und stand am Ende mit leeren Händen da.
Es reicht einfach nicht, nach einem Gegentor für kurze Zeit aufzuwachen. Es reicht einfach nicht, nach dem Ausgleich ein paar Minuten lang Energie auf den Platz zu bringen. Bundesliga-Fußball verlangt im Kollektiv Konzentration, Konsequenz, Konstanz und Intensität über die gesamte Spielzeit. Genau das bekommen die Fohlen aktuell nicht hin.
Die Worte sind da – die Punkte fehlen
Und es ist keineswegs so, als würde die Mannschaft ihre Defizite nicht erkennen. Alle benennen die Probleme. Nur: Wann werden sie endlich abgestellt?! Borussia hat inzwischen genug analysiert, erklärt und angekündigt. Natürlich ist es wichtig, Fehler zu erkennen. Natürlich braucht ein neuer Trainer Zeit, um seine Vorstellungen zu vermitteln. Doch Zeit allein wird die Situation nicht verbessern. Entscheidend ist, was die Mannschaft daraus macht.
Natürlich ist der Klub in dieser Saison von unfassbaren Verletzungspech geplagt (auch Isac Lidberg droht auszufallen) und das erschwert die Arbeit von Blessin. Als Erklärung für jeden Auftritt taugt das allerdings nicht. Auch mit den verfügbaren Spielern müssen grundlegende Dinge stimmen. Einsatz, gegenseitige Absicherung und die Bereitschaft, unangenehme Zweikämpfe anzunehmen, sind keine Frage der Kaderbreite. Mittlerweile stellt sich dabei allerdings auch die Qualitätsfrage. Jedenfalls erscheint es offensichtlich, dass Qualitäts- und mitunter Unterschiedsspieler wie Rocco Reitz, Nico Elvedi, Neu-Nationalspieler Yannik Engelhardt und Haris Tabaković nicht adäquat ersetzt wurden. Gerade einer, der Tore „garantiert“, wie Tabaković, fehlt den Fohlen derzeit an allen Ecken und Enden.
Jetzt ist jeder Einzelne gefragt
Sechs Niederlagen in Serie sind kein Zufall mehr. Sie sind Ausdruck einer sportlichen Krise, aus der Borussia bislang keinen Ausweg gefunden hat. Der Trainerwechsel hat bisher nicht den erhofften Effekt gebracht. Auch gegen Hoffenheim blieb die Mannschaft in entscheidenden Phasen zu anfällig und fand nach dem erneuten Rückstand keine Antwort mehr.
Natürlich darf man In einer solchen Situation nicht auseinanderfallen und man muss zusammenhalten, aber jeder muss nun die Sinne schärfen und es muss gemeinsam mit VollGAS alles dafür getan werden, dass man endlich in die Punkte kommt. Es braucht vor allem die richtige Haltung auf dem Platz.
Die Lage ist ernst. Es geht längst nicht mehr nur darum, irgendwann wieder einen guten Auftritt hinzulegen. Es geht darum, endlich Punkte zu holen und den Anschluss nicht frühzeitig zu verlieren. Dafür müssen alle ihre Leistung hinterfragen – vom Trainerteam bis zu jedem einzelnen Spieler.
Die Wahrheit ist unbequem, aber sie lässt sich nicht länger umgehen: Mit solchen Auftritten wird Borussia in der Bundesliga große Probleme bekommen bzw. die Klasse nicht halten können. Fünf gute Minuten nach der Pause, ein bisschen Kampf und die richtigen Worte hinterher reichen nicht. Jetzt müssen Taten folgen. Und zwar schnell. Alexander Blessin hat bei seiner Vorstellung von einer Treppe gesprochen, die es Step by Step zu nehmen gilt. Man stolpert aber auch unter dem Neu-coach weiter über die Stufen, als dass man über sie geht.
Borussia ist nach Düsseldorf 1991, Mainz 2020 und Bochum 2022 das vierte Team der Bundesliga-Historie, das nach sechs Spieltagen noch auf den ersten Punkt wartet; Mainz und Bochum schafften dann trotzdem den Klassenerhalt. Damit die Borussia das in 2026/27 auch schafft, muss sie aber ganz schnell die Kurve bekommen und vor allem eins schleunigst tun: Punkten! Unabhängig davon müssen jetzt Mannschaft und Fans gleichermaßen zusammenhalten und im wahrsten Sinne VollGAS geben, damit das zumindest aktuell als unmöglich erscheinende Ziel, nämlich der Klassenerhalt, geschafft werden kann.


