Blessin möchte im Derby mit »Feuer und Eifer an die Aufgabe herangehen«

Schafft Alexander Blessin die Wende? Foto: Dirk Päffgen

Wenn Borussia am Sonntag auf Köln trifft, steht im rheinischen Derby mehr als Prestige auf dem Spiel. Nach vier Niederlagen zum Saisonauftakt hoffen die Fohlen dringend auf die Wende. Dafür möchte Alexander Blessin bei seinem Pflichtspieldebüt die bislang ungenutzten Potenziale der Mannschaft freisetzen. Mit einem Erfolg wollen die Gladbacher die schwierigen Phase in eine neue Richtung lenken.

Für Blessin ist das 101. Derby ein ganz besonderes Spiel: Er ist der erste Trainer in der Geschichte von Borussia Mönchengladbach, der seine Premiere gegen die Domstädter feiert. Hans Meyer war 1999 im übrigen der letzte Trainer der Fohlenelf, der sein erstes Spiel verlor. Seither blieb der VfL bei den Debüts seiner 16 folgenden Cheftrainer ungeschlagen und verbuchte dabei elf Siege und fünf Unentschieden. Blessin bietet sich damit die Chance, diese Serie fortzuführen und seinen Einstand bei Borussia mit einem Erfolg zu krönen.

Blessin über die ersten Eindrücke 

»In der vergangenen Woche war vieles neu, weil ich die Mannschaft kennenlernen, mit ihr arbeiten und Dinge aufbrechen und ansprechen musste. Jetzt merkt man aber, dass es um Punkte geht. Ich bin heiß und freue mich sehr, dass es ausgerechnet mit einem Derby losgeht. Das sind genau die Partien, für die man als Fußballer viel investiert. Da gibt es für mich keinen Gedanken an Angst oder Ähnliches. Wir müssen mit Feuer und Eifer an die Aufgabe herangehen«, sagte Blessin. 

Seine Mannschaft nahm er in den letzten Tagen als »hochkonzentriert« wahr und sie sei für das »Derby bereit«. Blessin weiter: »Jeder hat die Bereitschaft gezeigt, einzusehen, was nicht gut war und wo wir uns steigern müssen. Das ist der erste Ansatz auf dem Weg zu einer Verbesserung. Gleichzeitig sind die Spieler offen für die neuen Dinge, die wir einbringen. Gerade bei der Struktur gegen den Ball bin ich sehr klar in meinen Vorgaben, und dafür braucht es eine hohe Aufmerksamkeit. Ich habe gemerkt, dass die Bereitschaft da ist, in den Gesprächen die richtigen Schlüsse zu ziehen und an einem Strang zu ziehen.«

Dabei hofft der 53-Jährige, dass er der Mannschaft in den letzten zwei Wochen »schon viel mitgeben konnte.« Er möchte das Rad nicht neu erfinden und fordert von den Fohlen vorrangig Prinzipien. »In verschiedenen Spielformen war bereits zu erkennen, dass Prozesse angestoßen worden sind. Jetzt geht es darum, diese weiter zu verfeinern und zu automatisieren. Wir sind auf einem guten Weg, aber letztlich ist es ein Prozess, und wir werden in den nächsten Wochen sehen, wo wir stehen«, gab sich Blessin zuversichtlich. Dennoch mahnt er zu Geduld. Auch, wenn die Borussen angesichts der Tabelle diese nicht unbedingt haben. »Es wird nicht wie mit einem Fahrstuhl ganz schnell nach oben gehen, sondern Schritt für Schritt die Treppe hinauf. Das ist anstrengend, aber so müssen wir es angehen.«

Das Dauerthema: Dreier- oder Viererkette? 

Nun darf Blessin ausgerechnet im Derby erstmals als Cheftrainer an der Seitenlinie stehen. Sicherlich wird der neue Coach motiviert sein, die positive Bilanz weiter auszubauen. In den bislang 100 Duellen gingen 53 Siege an die Fohlenelf, lediglich 28-mal jubelte am Ende der Klub aus der Domstadt. »Wir wollen das Spiel positiv angehen. Unser Ansinnen muss es sein, alles dafür zu tun, dass die Stimmung im Stadion vielleicht auch einmal ins Gegenteil umschlägt und die Kölner Fans nach zehn Minuten unzufrieden werden, wenn es für ihre Mannschaft nicht so läuft. Das ist unser Plan. Gleichzeitig ist uns bewusst, dass wir mit diesem einen Spiel sehr viel bewirken können. Das ist unsere Mission«, erklärte Blessin. 

Am Freitagmittag wollte er sich noch nicht festlegen, mit welchem Spielsystem er ins Rennen geht. Setzt er auf Dreier- oder Viererkette? Daraus machte er noch ein Geheimnis: »Ich mache das immer davon abhängig, welche Möglichkeiten ich in der Mannschaft habe und was ihr guttut. Grundsätzlich verfolge ich einen offensiven Ansatz. Mir geht es darum, mutig zu sein und nach vorne zu verteidigen. Das lässt sich sowohl mit einer Dreier- als auch mit einer Viererkette umsetzen, auch wenn sich die Nuancen unterscheiden. Wenn man 16 Gegentore kassiert, liegt das nicht zwangsläufig allein an der Abwehrkette.«

Uno vor Debüt? 

Personell fehlen neben den drei Langzeitverletzten auch Franck Honorat mit einer Muskelverletzung. Bei zwei anderen Akteuren, die diese Woche im Training teilweise pausieren mussten, steht noch ein Fragezeichen hinter dem Einsatz. Blessin: »Bei Tim Kleindienst und Ko Itakura könnte es eine Punktlandung werden. Da müssen wir in den nächsten 24 Stunden abwarten, wie sich die Situation entwickelt. Ich habe aber noch Hoffnung, dass uns beide zur Verfügung stehen.«

Zento Uno könnte am Sonntag endlich sein Bundesliga-Debüt feiern. Der Japaner fiel in den ersten Spielen mit einer Verletzung am Sprunggelenk aus und wurde von Borussias neuem Trainer gelobt. »Ich habe auf jeden Fall den Mut, ihn zu bringen. Ob von Anfang an oder nach 20 oder 30 Minuten, werden wir sehen. Zento bringt viele Tugenden mit, die für meine Spielidee wichtig sind: Er verteidigt nach vorne, hat eine gewisse Gier und sucht die Zweikämpfe. Auch nach einem Ballgewinn ist entscheidend, wie er weitermacht und ob sein erster Blick nach vorne oder nach hinten geht. Er hat mich damit sehr beeindruckt«, gestand Blessin. Eine tatkräftige Hilfe auf dem Weg wäre doch ein schöner Einstand für Uno…