Blessin fordert mehr – »Zufriedenheit gibt es bei mir nicht«

Viertes Spiel in Folge ungeschlagen? Blessin will Punkte aus Hamburg entführen. Foto: Dirk Päffgen

Borussia möchte den Aufwärtstrend fortsetzen und die Serie von drei ungeschlagenen Spielen auch in Hamburg ausbauen. Trotz des kleinen Dämpfers gegen Paderborn zeigen die jüngsten Auftritte, dass sich die Fohlen zunehmend stabilisieren. Trainer Alexander Blessin sieht dennoch weiteres Entwicklungspotenzial und fordert, nicht nachzulassen. Personell gibt es zumindest leichte Hoffnung auf Entlastung, während die Nominierung von Wael Mohya für die A-Nationalmannschaft für eine besondere Nachricht im Borussia-Lager sorgte.

Fortsetzung folgt? Am liebsten ja, denn Borussia Mönchengladbach würde nur zu gerne die Serie von drei ungeschlagenen Spielen auch am Freitagabend beim Hamburger SV weiterführen. Auch wenn das Spiel gegen Paderborn ein leichter Dämpfer war, so zeigt der Trend klar nach oben. Ob nach der Nullnummer im Borussia-Park gegen die Ostwestfalen am Freitagabend ein Tor fällt, ist mehr als fraglich. Denn: Seit dem Wiederaufstieg der Hanseaten gab es in diesem Bundesliga-Duell noch keinen Treffer – beide Begegnungen der Saison 2025/26 endeten torlos mit 0:0. Die Wahrscheinlichkeit, dass es weiterhin so bleibt, ist gegeben, denn die beiden Offensivreihen liegen bei den erzielten Treffern unter dem Ligadurchschnitt (14 Tore). 

Wollen nicht »stillstehen«

Dafür hat es Blessin geschafft, seine Mannschaft defensiv erheblich zu stabilisieren und die vielen Gegentore drastisch zu reduzieren. Dafür sorgte zum Teil auch ein geschickteres Anlaufverhalten. Doch der Coach sieht noch viel Potenzial. »Zufriedenheit gibt es bei mir nicht. Es geht immer darum, Dinge zu verbessern. Zufriedenheit bedeutet Stillstand, und stillstehen wollen wir nicht. Das betrifft die Aktivität, das Anlaufverhalten, die Auslöser für unser Pressing und das Durchdenken der Situationen. All diese Themen sind ständiger Bestandteil unseres Trainings und unserer Videoanalysen. Da haben wir weiterhin einiges zu tun«, sagte er am Donnerstag. 

Beim kommenden Gegner nahm der 53-Jährige im Saisonverlauf einige Änderungen wahr. »Das Flügelspiel ist nicht mehr so extrem ausgeprägt wie in der vergangenen Saison. Deshalb müssen wir besonders auf das Mittelfeld achten. Dort haben sie Spieler, die Fußball spielen und gerne ins Dribbling gehen wollen. Außerdem sind sie bei Flanken und beim Nachsetzen auf Flanken gefährlich. Mit Moffi haben sie einen guten Spieler, der Bälle ablegen kann und auch im Umschaltspiel seine Qualitäten hat.« Neben den positiven Aspekten machte Blessin aber auch verwundbare Stellen aus, die er mit seiner Elf »mit den eigenen Qualitäten auf den Platz bringen möchte«.

Hilft Blessins Bilanz auch Borussia?

Seine persönliche Bilanz gegen den HSV fällt positiv aus. In der vergangenen Saison blieb der heutige Gladbach-Trainer mit dem FC St. Pauli in beiden Hamburger Stadtderbys ungeschlagen. Auf einen 2:0-Auswärtssieg im Volksparkstadion folgte ein torloses Remis am Millerntor. Auch ein Blick auf die vergangene Saison könnte Borussia Mut machen. Nach acht Spieltagen standen die Fohlen damals ebenfalls auf dem letzten Tabellenplatz und hatten mit nur drei Punkten sogar noch weniger Zähler auf dem Konto als aktuell. Doch die Mannschaft schaffte rechtzeitig die Wende: Zwischen dem neunten und elften Spieltag gelangen drei Siege in Folge, die den Grundstein für den späteren Klassenerhalt legten. 

Personell gibt es bei den Fohlen zumindest leichte Hoffnung auf Entlastung. Franck Honorat könnte nach seiner Rückkehr ins Mannschaftstraining gegen den HSV wieder eine Option für den Kader sein. Auch Kevin Diks und Fritz Fleck machten zuletzt Teile der Einheiten mit der Mannschaft und könnten möglicherweise rechtzeitig fit werden. »Nicolas Kühn hat muskuläre Probleme und wird deshalb nicht zur Verfügung stehen. Gleiches gilt für Moritz Nicolas und Hugo Bolin, bei denen sich die Situation nicht verbessert hat. Der Einsatz von Daiki Hashioka ist noch fraglich. Tim Kleindienst ist auf einem guten Weg. Ich denke, dass wir nach der Länderspielpause wieder mit ihm rechnen können. Bei Jan Leszczyński und Enzo Leopold ist die Situation unverändert«, nannte Blessin die Ausfälle. 

Ehre für Mohya

Für eine schöne Randnotiz sorgte Wael Mohya. Der erst 17-Jährige wurde von Bundestrainer Jürgen Klopp erstmals in den Kader der deutschen A-Nationalmannschaft berufen. Nicht nur für Mohya, sondern auch für Borussia ist das eine Auszeichnung. Blessin: »Ich sehe das durchweg positiv. Ich habe auch ein Gespräch mit Jürgen Klopp gehabt. Es geht jetzt zunächst darum, dass Wael die Verantwortlichen kennenlernen und ein bisschen Nationalmannschaftsluft schnuppern kann. Ich finde, das ist eine tolle Geschichte für Wael, aber natürlich auch für uns als Verein. Ich habe im Zuge der Nominierung noch einmal mit Wael gesprochen und einen klaren Jungen erlebt, der richtig Lust auf das Kommende hat.«

Motivation wird auch Jens Castrop verspüren, der nach seiner Verletzungspause am vergangenen Samstag seine ersten Minuten sammelte. Und die könnten sehr schnell mehr werden, denn der 23-Jährige macht große Fortschritte. »ens ist seiner Zeit voraus, denn eigentlich hatten wir erst in den nächsten Wochen mit ihm gerechnet. Er hat die Situation gut angenommen und macht im Training einen guten Eindruck. Jens ist ein Typ, der den Wettkampf liebt. Das brauchen wir jetzt auch. Ob es für ihn direkt für einen Startelfeinsatz reicht, weiß ich noch nicht. Wir werden ihm die nötige Zeit geben, wahrscheinlich über Einsätze von der Bank wieder hineinzukommen, um sich dann weiterzuempfehlen«, erklärte Blessin.