Rouven Schröder lotet die Optionen auf dem Trainermarkt aus. Foto: Dirk Päffgen
Viele Namen werden mit dem Trainerposten in Gladbach in Verbindung gebracht, einige davon sind inzwischen wieder abgekühlt. Dafür kam in Dino Toppmöller jüngst eine weitere Option ins Rennen. Was für ihn und für andere Kandidaten spricht.
Rouven Schröder wird schon ernsthafte Optionen für den neuen Cheftrainer-Posten abgeklopft haben, als plötzlich die Nachricht vom RC Lens kam, dass Dino Toppmöller nach gerade einmal drei Monaten wieder entlassen ist. Und auch, wenn Gladbachs Sportchef angesichts der drei Auftaktniederlagen in der Bundesliga nicht an Schicksal glauben mag, könnte sich Toppmöllers Freistellung für Borussia zur glücklichen Fügung entwickeln.
Schließlich ist auch Schröder seit dem Aus von Eugen Polanski im Fokus. Er wird an seiner nächsten Trainer-Entscheidung umso mehr gemessen werden als am Festhalten an Polanski, der noch von Ex-Sportdirektor Roland Virkus aus der U23 zum Profi-Coach befördert wurde. Jetzt muss Schröder seinen ersten eigenen Trainer finden – doch die Lage am Trainermarkt ist seit der Sommerpause eher enger als breiter geworden.
Werner und Streich keine Optionen
Für viele dürfte Gladbach in der aktuellen Lage ohnehin zu riskant sein. Ole Werner beispielsweise wird seine Reputation, die er sich bei seinen Stationen in Leipzig und Bremen aufgebaut hat, nicht für die kriselnde Borussia aufs Spiel setzen. Zumal sowohl im In- als auch Ausland in den kommenden Monaten auch Vereine auf Trainersuche gehen werden, die international vertreten sind und eher Werners Kragenweite entsprechen.
Auch Christian Streich wird seinen Ruhestand im Breisgau nicht für Borussia aufgeben. Medial spekuliert wird weiterhin Christian Titz, der allerdings gerade erst bei Zweitligist Hannover 96 entlassen wurde und alleine deshalb für Schröder schlecht zu verkaufen wäre. Anders sähe es bei Dietmar Kühbauer vom Linzer ASK aus, ihm fehlt allerdings die Bundesliga-Erfahrung, die wohl ein Kriterium für Borussias neuen Trainer sein soll. Zumal Kühbauer mit dem LASK in der Championsleague vertreten ist.
Blessins Spielstil passt zu Gladbach
Bundesliga-Vergangenheit können Horst Steffen und Alexander Blessin beide vorweisen, allerdings sind beide bei ihren vergangenen Stationen auf unterschiedliche Weise gescheitert. Steffen wurde in Bremen nach nur sieben Monaten entlassen und holte im Schnitt gerade einmal 0,90 Punkte, auch wenn die Erfahrung dennoch für ihn spricht angesichts seines Erfolges mit der SV Elversberg. Blessin hingegen wäre von den bereits genannten wohl der spannendste Kandidat. Mit St. Pauli blieb er im ersten Jahr in Liga eins, im zweiten folgte der Abstieg.
Dabei hat Blessin eine Mannschaft mit geringerem Budget trainiert, als es in Mönchengladbach der Fall ist. Und da sein Spielstil – intensiv und kompakt – in der aktuellen Lage gut zu Borussia passen würde, dürfte er weiterhin mit oben auf der Liste stehen. Doch genau da könnte sich seit Dienstag Dino Toppmöller noch einen Platz über ihm befinden, schließlich bringt er nicht nur die nötige Erfahrung in der Bundesliga mit – seine Entlassung erfolgte zudem nicht aus sportlichen Gründen, sondern aus seiner Loyalität zu seinem Co-Trainer Nelson Morgado, den die Franzosen kurz zuvor freistellten.
Wäre Toppmöller die Top-Lösung?
In der Ligue 1 steht Lens derzeit auf dem zehnten Tabellenplatz, nach einem Sieg, einem Unentschieden und zwei Niederlagen. In der Championsleague gewann der Klub sein Auftaktspiel gegen Slavia Prag. Sportlich lief es also in Lens, und alleine dieser Umstand könnte Toppmöller zum Top-Kandidaten machen. Gemeinsam haben Toppmöller, Blessin, Steffen und auch Eugen Polanski, dass sie alle von Volker Struths Agentur „Sports 360“ beraten werden – Schröder muss also nichtmal seinen Ansprechpartner wechseln.
Allerdings gibt es mehrere Haken. Denn nicht nur könnte auch Toppmöller für Gladbach teuer werden, im Raum steht zudem die Frage, ob er nicht auf Klubs anderer Kaliber warten würde. Weiter ist fraglich, inwiefern Toppmöller Borussia defensiv stabilisieren könnte. Schließlich wurde ihm das bei seiner letzten Bundesliga-Station bei Eintracht Frankfurt zum Verhängnis. So kassierte die SGE in 18 Ligaspielen 39 Gegentore, darunter vier Stück, die sie im vergangenen Herbst nach 6:0-Führung im Borussia-Park hinnehmen musste. Im Februar war deshalb Schluss für Toppmöller am Main.
Es wäre ihm ob seiner internationalen Erfahrung allerdings zuzutrauen, seinen Spielstil dahingehend anzupassen und in Gladbach eine Ebene weiter hinten anzusetzen. Wenn er denn von einem Championsleague-Klub überhaupt nach Gladbach wollen würde. Lange warten dürften die Fans auf eine zeitnahe Verkündung, wer neuer Trainer wird, allerdings nicht. Denn noch zu Beginn der XXL-Länderspiel-Pause soll der neue Mann das Training leiten. Dass Mister X dann drei Wochen Zeit hat, die Mannschaft kennenzulernen, könnte man also erneut als glückliche Fügung bezeichnen.

