Markus Gellhaus: »Cheftrainer ist nicht meins, ich bin so super zufrieden«

Markus Gellhaus Borussia Mönchengladbach im Interview

Markus Gellhaus ist seit Sommer wieder zurück bei Borussia als Co-Trainer. Foto: Dirk Päffgen

Seit dieser Saison ist Markus Gellhaus zurück bei Borussia Mönchengladbach. Wieder als Co-Trainer. Diesmal an der Seite von Eugen Polanski. Im Mediengespräch am Tegernsee sprach der 56-Jährige untrer anderem über seine überraschende Rückkehr nach Gladbach, die Zusammenarbeit mit Eugen Polanski und seine Rolle als Co-Trainer.

Markus Gellhaus über:

… die etwas überraschende Rückkehr nach Mönchengladbach:

Damit war nicht zu rechnen. Ich stand ja auch noch unter Vertrag in Rostock. Eines Abends hat Eugen mich angerufen. Tatsächlich hatte ich seine Nummer nach 18 Jahren noch eingespeichert und dachte erst: Was will er? Dann kam die Anfrage. Das war überraschend. Es hat dann aber nicht lange gedauert. Für mich war sehr schnell klar, dass ich das gerne machen möchte. Es war dann nicht so einfach, weil ich noch unter Vertrag stand, das zu regeln. Aber Gott sei Dank hat es geklappt.

… eine eventuelle Ablöse:

Das weiß ich nicht. Aber am Ende hat man hat sich geeinigt und sie haben mich aus meinem Vertrag rausgelassen.

… die Abstimmung im Trainerteam: 

Ich finde schon, dass es flüssig läuft. Es ist jetzt nicht so, dass wir ganz stringent sagen: Der macht nur das und der andere nur das. Wir besprechen Dinge gemeinsam, analysieren sie und planen das Training, die Steuerung und so weiter. Am Ende ist es so: Der Cheftrainer hat den Hut auf und entscheidet. Aber ich glaube, dass wir auf einem sehr guten Weg sind und ein gutes Zusammenspiel haben.

… einen eventuellen Vorteil als erfahrener Co-Trainer an Polanskis Seite zu sein:

Das ist schwer zu beantworten. Ich finde, da müsste man Eugen fragen, wie wertvoll es für ihn ist, Erfahrung in seinem Trainerteam zu haben. Ich glaube schon, dass man mit der Sichtweise aus jetzt über 25 Jahren Profifußball viele Dinge mit der Zeit anders sieht und anders macht. Viele Dinge hat man auch schon einmal durchlebt, die in bestimmten Situationen hilfreich sein können. Dann kann man sagen: Das haben wir schon einmal gehabt. Wenn wir das wieder so machen, könnte es sein, dass es nicht gut ist. Von daher glaube ich schon, dass Erfahrung in diesem Bereich etwas ausmacht. Wie Jan-Moritz auch gesagt hat, sehe ich mich immer als Zuarbeiter für den Cheftrainer. Wir wollen all das, was wir haben und was sich an Know-how über die ganzen Jahre angesammelt hat, möglichst effektiv einbringen, um dann Spiele zu gewinnen. Das ist das Thema.

… über seine Entscheidung, zum FC Hansa Rostock zu gehen:

Ich sehe mich tatsächlich in der ersten und zweiten Liga. Da habe ich jetzt über 25 Jahre lang gearbeitet. Ich glaube, dass ich den Schritt nicht gemacht hätte, wenn es nicht Daniel Brinkmann gewesen wäre und er mich gefragt hätte. Ich bin mitten in der Saison dorthin gegangen. Hansa Rostock hatte auch im vergangenen Jahr schon das Ziel, aufsteigen zu wollen. Am zehnten Spieltag waren sie, glaube ich, 15. Es war kribbelig und sie suchten einen anderen Input. Daniel hat mich gefragt, ob ich nicht helfen kann. Sie brauchten jemanden mit Erfahrung. Das Trainerteam war extrem jung. Daniel kam aus Wiedenbrück aus der Regionalliga und hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, dort zu helfen. Da habe ich gesagt: Okay, ich mache das bis zum Sommer. Daniel kenne ich sehr gut. Wir haben ihn damals in Paderborn zum Profi gemacht. Er wohnt 30 Kilometer Luftlinie von mir entfernt und die Verbindung ist nie abgerissen. Wir haben ihn damals zum Profi gemacht und ihn dann auch zusammen mit Jos Luhukay nach Augsburg genommen. Da ist eine Verbindung.

Deswegen habe ich gesagt: Okay, ich versuche zu helfen und deswegen komme ich. Ich hatte zunächst tatsächlich nur bis zum Sommer unterschrieben, für acht Monate, weil ich gesagt habe: 3. Liga. Aber ich komme und versuche zu helfen. Dann hat es mir tatsächlich sehr gut gefallen. Der Verein hat eine Wucht. Die Infrastruktur ist so, dass man sagen kann: Das ist mindestens zweitligatauglich. Das Stadion ist immer voll und es hat Spaß gemacht. Die Zusammenarbeit mit Daniel war gut. Von daher habe ich meinen Vertrag dann verlängert. Dann kam Gladbach und ich wollte unbedingt aus meinem Vertrag heraus. Auch, weil ich die Chance unbedingt nutzen wollte, wieder nach Gladbach zurückzukommen.

… seine Ambitionen, eventuell mal wieder Cheftrainer zu werden:

Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich seit mehr als einem Vierteljahrhundert mache. Das ist genau der Job, der mir Spaß macht: Mit den Spielern auf dem Feld arbeiten, Trainingsplanung, Trainingsdurchführung und Steuerung. Das sind alles meine Themen, die ich gerne mache. Ich habe es einmal als Cheftrainer versucht, aber nur aus der Not heraus, muss ich fairerweise sagen. Das war nach Hertha, als Jos und ich gesagt haben: Wir sind jetzt zehn Jahre zusammen und hocken mehr oder weniger tagtäglich aufeinander. Ein bisschen Verschleiß ist schon da, lass uns mal etwas anderes machen. Jeder macht mal sein Ding. Dann kam Wilfried Finke von Paderborn und hat gesagt: Jetzt musst du. Er hatte mich vorher schon zweimal gefragt, da war ich aber in Lohn und Brot. Ich hatte eigentlich immer gesagt: Nein, das ist nicht mein Ding. Ich will das eigentlich nicht. Dann habe ich es trotzdem gemacht und bin krachend gescheitert. Das war für mich noch einmal die Erkenntnis: Cheftrainer ist nicht meins, du bist Co-Trainer. Damit bin ich super zufrieden und mache das gerne. Da gibt es gar keine Ambitionen, irgendetwas anderes in diese Richtung machen zu wollen.

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… Veränderungen bei Borussia im Vergleich zu seiner ersten Zeit unter Luhukay:

Jeder Klub entwickelt sich weiter. Wie gesagt, es sind 18 Jahre vergangen. Natürlich ist das eine lange Zeit, in der sich in allen Bereichen viel getan hat. Wenn man jetzt an den Borussia-Park heranfährt und das Amateurstadion und das Hotel sieht, hat sich natürlich schon einiges getan. Trotzdem ist vieles auch noch gleich. Wir sitzen immer noch im gleichen Büro und trainieren immer noch auf den gleichen Plätzen. Von daher habe ich vieles wiedererkannt. Tatsächlich gibt es auch noch viele Mitarbeiter, die damals schon da waren. Das hat mich ein Stück weit überrascht, muss ich sagen. Nach so einer langen Zeit hat man normalerweise eine große Fluktuation.

… Ex-Borusse Jos Luhukay:

Jos ist Privatier oder Rentner, je nachdem, welche Vokabel man verwenden möchte. Er hat drei Enkelkinder und ist froh und glücklich. Nach dem Trainingslager habe ich ja kürzere Wege nach Venlo. Wir wollen uns auch mal wieder treffen. Wir stehen immer noch in Kontakt. Ständig wäre übertrieben, aber alle paar Monate trifft man sich mal. Er sagt dann immer, es wäre auf halber Strecke. Das ist jetzt nicht ganz so, ich muss schon weiterfahren, aber das ist okay. Ich komme aus Paderborn, er aus Venlo und wir treffen uns dann in Oberhausen. Das ist nicht ganz die Hälfte, aber gut. Er genießt seine Zeit.

… die Stärken und Aufteilung im Trainerteam mit Jan-Moritz Lichte:

Wir sind im Moment noch dabei, das zu finden. Wir arbeiten ja das erste Mal zusammen. Wir kannten uns allerdings vorher schon. Die Anekdote ist: Ich habe damals den Fußball-Kurs von Jan-Moritz an der Universität Paderborn geleitet. Ich weiß nicht mehr, wie gut er abgeschnitten hat, aber ich meine, ich habe gehört, sehr gut. Im Moment geht es erst einmal darum, gemeinsam eine Sprache im Fußball zu sprechen. Das ist, glaube ich, das Wichtigste. Danach werden wir die nächsten Schritte machen.