Mahnt zur Ruhe: Borussias Interimscoach Jan-Moritz Lichte. Foto: Dirk Päffgen
Jan-Moritz Lichte steht vor seinem Debüt als Trainer der Borussia. Am Samstag sind die Fohlen im Borussia-Park gegen Mainz gefordert. Als Tabellenvorletzter ist die Fohlenelf zum Siegen verdammt. Derweil arbeitet Rouven Schröder im Hintergrund an der Verpflichtung eines neuen Trainers. Vor dem vierten Spieltag gab Borussias Sportchef ein Update.
Wer wird der neue Mann an der Seitenlinie?
Spiel eins nach Eugen Polanski: Bei Borussia Mönchengladbach stehen die Zeichen schon früh in der Saison auf Abstiegskampf. Mit null Punkten und zwölf Gegentoren legten die Gladbacher einen Fehlstart par excellence hin. Die Folge: Polanski musste gehen und nun beginnt eigentlich mal wieder alles von Null. Ein Szenario, in das man sich nicht hätte bringen müssen, daher wächst der Druck auf alle Beteiligten.
In diesen Tagen bleibt daher zu hoffen, dass Schröder einen kühlen Kopf bewahrt und die richtige Entscheidung trifft. Denn der nächste Trainer muss sitzen, weitere Fehltritte kann sich die sportliche Führung nicht erlauben. »Wir haben zunächst bestimmte Parameter aufgestellt und dadurch die Zahl an Kandidaten auf einen kleinen Kreis reduziert. Am Ende stehen wenige Namen auf der finalen Liste, mit denen wir persönlich sprechen. Dabei geht es darum, was wirklich zu Borussia passt, wie der Trainer die Zukunft des Vereins sieht und wie er unseren Kader bewertet«, sagte Schröder.
Neben Profilen wie Spielweise, Autorität, Spielerentwicklung und noch viel mehr spielt auch das Finanzielle eine Rolle. Schröder: »Finanzielle Parameter spielen natürlich eine Rolle. Wir wollen bewusst den richtigen Trainer für Borussia finden und gehen dabei Schritt für Schritt vor. Aktuell sind wir mit dem Stand der Gespräche sehr zufrieden. Wir gehen davon aus, dass wir in der Länderspielpause einen neuen Trainer präsentieren. Entscheidend ist, dass wir den Richtigen finden. Dabei kommt es nicht auf einen Tag an.«
»Den Arsch hochbekommen«
Die Fohlen beriefen nach dem Polanski-Aus Lichte zum neuen Trainer. Eine Konstellation, die Schröder und Lichte bereits aus ihrer Zeit in Mainz kennen. »Rouven hat mir mitgegeben, dass wir alle Freiheiten haben und alles durchdenken dürfen. Das ist in dieser Konstellation auch wichtig. Gleichzeitig haben wir in den vergangenen Wochen bereits gemeinsam gearbeitet und waren an den Entscheidungen beteiligt. Deshalb geht es nicht darum, jetzt alles komplett zu verändern. Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, was in der neuen Situation das Beste für die Mannschaft ist«, erklärte Lichte.
Für Schröder ist die Partie gegen seinen ehemaligen Arbeitgeber »elementar wichtig. Auch, wenn wir alles nicht zu hoch hängen wollen.« Laut dem 50-Jährigen befindet sich Borussia in einer »Abtauchphase« und sollte daher »den Arsch hochbekommen.«
Dass soll nun ausgerechnet gegen den FSV Mainz 05 passieren. Die Borussen sind seit sechs Heimspielen (drei Remis, drei Niederlagen) gegen die Rheinhessen sieglos. Den letzten Sag gab es vor fast sieben Jahren. Höchste Zeit also, die Negativserie zu beenden und endlich in der neuen Spielzeit in die Spur zu kommen.
Lichte ist sich aber bewusst, welch harter Brocken auf ihn und seine Mannschaft zukommt. »Mainz hat unter Urs Fischer eine extreme Stabilität gezeigt. Es ist eine sehr strukturierte und disziplinierte Mannschaft, die aus einer meist kompakten Ordnung heraus auch aggressiv nach vorne agieren kann. Sie ist zweikampfstark und hat vorne ein extrem gefährliches Sturmduo. Das Zusammenspiel der beiden ist etwas, worauf wir uns einstellen und was wir versuchen müssen zu unterbinden, damit sie ihre Qualitäten nicht ausspielen können.«
Geht Borussia ein Licht(e) auf?
In den letzten Spielen sah Lichte, trotz der mangelhaften Ergebnisse, durchaus Ansätze, auf die er aufbauen möchte. »Wenn man sich die Spiele anschaut, haben wir strukturell über weite Strecken gute Dinge gemacht. Wir hatten aber immer wieder Phasen, in denen wir Fehler gemacht haben, die jedes Mal bestraft wurden. Diese Fehler abzustellen, haben wir natürlich schon vorher versucht und versuchen es weiterhin. Wir müssen bei allem, was wir tun, sicher und überzeugt sein – bei jedem Pass, bei jeder Aktion und als Mannschaft insgesamt. Jetzt gilt es, Schritt für Schritt die Dinge abzustellen, die vorher nicht funktioniert haben«, erklärte der Interimstrainer.
Personell sind – wenig überraschend – einige Ausfälle zu beklagen. »Mit Ausnahme der Langzeitverletzten sind alle Mann an Bord. Tim Kleindienst ist nach seiner Gelb-Roten Karte gesperrt. Wir überlegen alle Optionen, aber Isac Lidberg wäre natürlich der logische Ersatz. Er hat sich seinen Einsatz mit seiner guten Vorbereitung und dem, was er hier bislang gezeigt hat, verdient und erarbeitet«, gab Lichte ein Update zum Kader.
Ein Punkt gegen die Nullfünfer wäre in diesen Tagen schon ein großes Erfolgserlebnis und ein bisschen Balsam für die Seele. Das würde auch für die nötige Ruhe Sorgen, die der neue Trainer während der Länderspielpause braucht, um endlich den Neuaufbau voranzutreiben.

