Borussias und die »unerklärliche Niederlage« gegen Elversberg

Pure Enttäuschung nach der Leistung gegen den Aufsteiger aus Elversberg. Foto: Dirk Päffgen

Schon nach zwei Spieltagen ist bei Borussia komplette Ernüchterung eingetreten. Nach der peinlichen 3:4-Niederlage gegen Aufsteiger Elversberg war die Stimmung komplett im Keller. Die Verantwortlichen mühten sich zwar in Erklärungsversuchen, wussten aber auch, dass dieser Auftritt in allen Belangen viel zu dünn war. 

Polanski jetzt schon angezählt? 

Die Stimmung bei Borussia Mönchengladbach ist schon am zweiten Spieltag völlig im Eimer. Nach der Partie quittierte die komplette Nordkurve die unerklärliche und fast schon nicht Erstliga-Taugliche-Leistung mit lautstarken Pfiffen. Die Mannschaft traute sich gar nicht erst in die Nähe der Fans und blieb am Sechzehner mit Sicherheitsabstand stehen. Mit einer guten Vorbereitung wollten die Fohlen eigentlich den nächsten Schritt machen, doch nach zwei Spielen in der Bundesliga neigt sich die Geduld fast schon wieder dem Ende entgegen. 

Sportchef Rouven Schröder warb aber nach der Niederlage gegen den Aufsteiger um selbige. »Es wird wichtig zu sein, klar zu bleiben und jetzt nicht nach zwei Spieltagen völlig durchzudrehen. Alles wird analysiert, aber klar, der Druck steigt auf uns alle«, sagte der 50-Jährige. Noch vor zwei Wochen hätte man der Mannschaft auch genügend Kredit eingeräumt, doch angesichts der maßlos enttäuschenden Leistungen mit sieben Gegentoren nach zwei Spielen, scheint die Geduld schon am Ende. Das Konstrukt rund um Eugen Polanski ist jetzt schon angezählt und enorm unter Zugzwang. 

Doch wie konnte es überhaupt soweit kommen? Eigentlich machten die Fohlen ein ordentliches Heimspiel und ließen sich auch vom zwischenzeitlichen Ausgleich der Elversberger nicht beirren. Nach der Pause und dem 3:1 schien das Spiel durch – es kam bekanntermaßen alles ganz anders. Erklärungsversuche gab es einige. 

»Super unklug angestellt«

»Wir führen 3:1 und haben alles im Griff. Das sollte gegen einen Aufsteiger reichen und was dann passiert ist irgendwo unerklärlich. Sieben Gegentore in zwei Spielen, das ist alles andere als eine reife Defensivleistung, da müssen wir uns hinterfragen. Klar, wir haben junge Spieler in der Mannschaft und die machen auch Fehler, das gehört dazu, aber wir müssen innerhalb eines Spieles auch daraus lernen. Dann führen wir noch 3:2 zu Hause, da müssen wir den Ball auch einfach mal auf die Tribüne hauen und nicht versuchen, noch schönen Fußball zu spielen«, erklärte Tim Kleindienst. 

Alles Muster, die man als leidgeprüfter Fan der Fohlenelf schon aus den vergangenen Spielzeiten kannte und von denen man hoffte, dass sie abgelegt wurden. Am Samstagnachmittag wurde man jedoch eines besseren belehrt. Robin Hack wusste auch, dass er uns seine Kollegen sich »in den letzten dreißig Minuten einfach super unklug angestellt« haben. Hack weiter: »Wir hätten viel cleverer und ruhiger am Ball agieren müssen. Schließlich hatten wir das Spiel nach dem 3:1 eigentlich im Griff. Die Entscheidungsfindung war dann schlichtweg nicht gut genug. Mir fehlen ehrlicherweise ein wenig die Worte, dass du aus diesem Spiel, dass du eigentlich gewinnen musst, am Ende nicht einmal einen Punkt mitnimmst. Wir sind jetzt alle sauer, aber wir dürfen uns davon nicht beeinflussen lassen.«

Erfahrene Spieler in der Pflicht 

In die gleiche Kerbe schlug auch Philipp Sander. »Wir hatten zu einfache, kopflose Ballverluste vorne und fangen hinten viel zu einfach Tore. Die Gegentore fallen aus individuellen Fehlern, die müssen wir in Zukunft vermeiden, um die Gegentorquote zu senken. Das hat auch etwas mit der letzten Konsequenz beim Verteidigen im Strafraum zu tun.« Die Verantwortung liegt einzig und allein bei den erfahrenen Spielern, doch offensichtlich ist diese Last (noch) zu groß für sie. 

Borussia ist im Umbruch und setzt auf junge Spieler – was komplett richtig ist – doch ihre Fehler müssen mit einkalkuliert werden, können derzeit aber nicht aufgegangen werden. Sander nahm die jungen Fohlen daher in Schutz. »Allen jungen Spielern, die heute auf dem Platz standen mache ich trotzdem ein Kompliment. Sie sind mutig aufgetreten, Fehler gehören dazu. Wir als ältere, als Führungsspieler müssen uns an die eigenen Nase packen, dass wir in solch einem wilden Spiel nicht für die nötige Ruhe gesorgt haben, um die Führung zu sichern. Wir müssen mit der Situation selbstkritisch umgehen.«

Polanski versuchte nach der peinlichen Niederlage noch positive Dinge hervorzuheben, wenngleich auch er insgeheim wusste, dass dies zu dünn war. »Wir können bis zum 3:1 sehr viele positive Dinge nennen: Die Energie, mit der wir hier zu Hause aufgetreten sind, die Art und Weise, wie wir die Tore erzielen. Um dann sehr viele Dinge falsch zu machen.« Für Borussias Cheftrainer war »das ein Stück weit unerklärlich und deswegen kein schöner Fußballnachmittag für uns.«

Polanski mit einer Forderung

Seine Analyse lautete wie folgt: »Wir bekommen zu viele einfache Gegentore, verteidigen hinten nicht mit aller Konsequenz. Die ersten beiden Gegentore dürfen so nie fallen, das dritte Gegentor ist ein direktverwandelter Freistoß und beim vierten stellen wir uns extrem unclever an. Die drei verlorenen Punkte schmerzen sehr. Wir müssen uns deutlich cleverer anstellen. Der Schock sitzt tief, dass wir die Partie noch aus der Hand gegeben haben.« 

Auch er forderte, dass die erfahrene Spieler die noch jungen Wilden um Wael Mohya noch mehr leiten müssen. »Wenn ich heute an die ersten beiden Gegentore denke, sind das erfahrene Spieler, die Situationen einfach cleverer lösen müssen. Unsere erfahrenen Spieler müssen den jungen noch mehr Sicherheit geben.« Sicherheit, die auch er seiner Mannschaft nun schleunigst vermitteln muss. Die Fohlen stehen als Tabellenletzter schon gehörig unter Druck und müssen am nächsten Wochenende in Freiburg ran. Im Breisgau warten die Gladbacher seit über 20 Jahren auf einen Sieg. Gute Vorzeichen sehen anders aus…