Auch Franck Honorat erhält in Nicolas Kühn starke Konkurrenz. Foto: Dirk Päffgen
Es kam etwas überraschend, doch Rouven Schröder hat am Deadline-Day mit der Leihe von Nicolas Kühn noch einmal zugeschlagen auf dem Markt. Wieso das mehr als nur ein Gladbach-Problem löst: Unser Prüfstand, präsentiert vom Autohaus Waldhausen + Bürkel aus Mönchengladbach.
Einen „Dribbler“ haben viele Fans bei Borussia Mönchengladbach gefordert – also so einen, wie es ihn im Kader bislang nicht wirklich gegeben hat. Doch das hat sich mit der Leihe von Nicolas Kühn von Como 1907 nun geändert. »Nicolas ist Linksfuß, offensiv flexibel einsetzbar, schnell, kann Situationen im Eins-gegen-Eins lösen und ist zudem auch torgefährlich«, sagt Sportchef Rouven Schröder.
Damit erweitert er die Borussen-Offensive um Fähigkeiten, die mit Blick auf die 0:3-Niederlage bei RB Leipzig mehr denn je gefragt sind. Dennoch, die Frage muss erlaubt sein: Wieso holt Schröder noch einen Offensiv-Mann, nachdem Borussia mit Robin Hack, Hugo Bolin, Wael Mohya, Frank Honorat und Shuto Machino auf den Positionen um die Spitze herum keinen personellen Mangel hat? Mehrere Gründe liegen auf der Hand.
Der fehlende Dribbler
Zum einen wäre da wirklich das Profil: Einen Dribbler vermisst Borussia schon länger, sowohl Mohya als auch Bolin haben ein eher anderes Profil, auch wenn beide grundsätzlich Qualitäten im Eins-gegen-Eins mitbringen, ebenso wie Hack. Zudem scheint Gladbach nicht einmal eine Leih-Gebühr für Kühn zu zahlen, es ist ein Deal mit sehr überschaubarem Risiko, allein die Profil-Erweiterung genügt also als Argument. Es gibt aber auch weitere triftige Gründe.
So ist Machino nach wie vor noch nicht in Gladbach angekommen, bis auf wenige Momente, in denen er sein Können andeutete, hat der Japaner seit seinem Wechsel eher enttäuscht. Es mag hart klingen, doch eine echte Option ist Machino zum aktuellen Stand nicht, wenn Borussia wie in Leipzig einem Rückstand hinterherläuft oder durch Verletzungen Ersatz gefragt ist. Kühn dürfte also auch ohne große Anlaufzeit den Platz vor Machino in der Rangfolge einnehmen.
Was geschieht mit Honorat?
Fraglich ist, wo Honorat in dieser Liste steht, denn auch seine Entwicklung gibt zu denken. War der Franzose im vergangenen Halbjahr sogar einer, dem die Öffentlichkeit – und vor allem er selbst – den Schritt zu einem international vertretenen Klub zugetraut hätten, musste er zuletzt auf der Bank Platz nehmen. Ob dahinter mehr steckt als nur eine Phase, bleibt natürlich abzuwarten, doch werden auch Honorats Qualitäten gefragt sein, wenn er sie denn auf den Platz bringt.
Und dann wäre da noch Mohya. Denn auch, wenn der 17-Jährige der Mann der Zukunft ist, wird auch er angesichts seines jungen Alters mal eine Pause benötigen. Zudem könnte es ihm in seiner Entwicklung helfen, einen dribbelstarken Mitspieler an seiner Seite zu wissen, um sich etwas abzuschauen und den Druck von seinen Schultern zu nehmen. Auch in dieser Hinsicht dürfte sich die Kühn-Leihe auszahlen.
Scally wohl mindestens bis Winter in Gladbach
Bleibt die Frage, ob es das nun war mit den Transfer-Aktivitäten in Gladbach, oder ob Schröder die geplanten Verkäufe verkünden wird. Bei Tomáš Čvančara dürfte es ziemlich sicher auf eine Leihe hinauslaufen. Joe Scally dürfte hingegen bleiben, denn inzwischen ist das Transferfenster in England ebenso wie in Deutschland geschlossen, andere Märkte scheinen für ihn nicht interessant zu sein.
Im Winter könnte Schröder also noch einen Anlauf starten, Scally an den Mann zu bringen. Nicht auszuschließen, dass de US-Boy bis dahin noch auf ein paar Einsatzzeiten kommt und sich empfehlen kann, so lange die etatmäßigen Optionen der rechten Seite nicht einsatzbereit sind. Insgesamt darf man auch gespannt sein, wie Eugen Polanski schon gegen die SV Elversberg die Defensiv- und Offensiv-Positionen auf der rechten Seite besetzt…


