Defensiv zu schwach: Gladbach unterliegt auch Mainz mit 3:4

Florian Neuhaus traf gegen Mainz, am Ende standen dennoch Null Punkte. Foto: Dirk Päffgen

Mit 3:4 hat Borussia Mönchengladbach gegen Mainz 05 verloren. In einer umkämpften Partie zeigten die Borussen zwar deutlich mehr Einsatz als zuvor, bekamen ihre Defensiv-Schwächen aber nach wie vor nicht in den Griff. Dabei stellten sie sogar einen Negativrekord auf. 

Ein Comeback gegen den Ex-Klub: Borussias Interimstrainer Jan-Moritz Lichte wollte die ersten drei Punkte der Saison ausgerechnet gegen seinen Ex-Verein Mainz 05 holen. Dabei musste er auf Jens Castrop (Schulter-OP), Enzo Leopold (Kreuzbandriss), Nicolas Kühn (Muskelbündelriss) und Yukhym Konoplia (Trainingsrückstand) verzichten. Zudem stand Tim Kleindienst (Gelb-Rot-Sperre) nicht zur Verfügung. Dafür aber wieder Daiki Hashioka, der seine Nackenverletzung überstanden hatte.

Im Vergleich zur Klatsche in Freiburg nahm Lichte gleich vier Änderungen vor: Isac Lidberg ersetzte den gesperrten Kleindienst im Angriff und Lukas Ullrich, Jan Leszczyński und Florian Neuhaus begannen anstelle von David Herold, Kevin Stöger und Robin Hack.

Neuhaus sorgt für die Führung, Mainz antwortet schnell

Sowohl die Fohlen als auch die Rheinhessen waren aber erstmal um Sicherheit bemüht und wollten keine Fehler machen. Infolgedessen gab es in den Strafräumen keinerlei Gefahr. Doch plötzlich führten die Fohlen. Neuhaus bediente Ullrich auf der linken Seite, dieser zog nach innen und suchte aus zwanzig Metern den Abschluss. Neuhaus hielt noch den Fuß rein, fälschte dadurch perfekt ab und lenkte den Schuss zum 1:0 ins linke untere Eck (12.).

Es war der erste Torschuss der Fohlen – eine Führung, die sich nicht abgezeichnet hatte. Nur vier Minuten später hätten sie sogar das zweite Tor nachlegen können, aber Schwolow tauchte nach einem Leszczyński-Kopfball im Anschluss an eine Ecke rechtzeitig ab und entschärfte die Kugel (14.).

Doch das Gegentor ließ nicht lange auf sich warten. Becker hatte nach einem Einwurf rechts im Sechzehner viel zu viel Platz und zog die Kugel aus der Drehung perfekt an den zweiten Pfosten. Dort lief Tietz völlig frei ein und vollendete zum 1:1-Ausgleich (18.). In der Folgezeit tat sich nicht allzu viel, es gab kaum Torgefahr. Den ersten Schuss der Borussen gab es dann wieder in Minute 26, als es Bolin versuchte, mit dem schwachen Schuss hatte Schwolow aber keine Mühe.

Mainz dreht das Spiel

Nach einer halben Stunde musste Leszczyński nach einem Zusammenprall mit Sander im Strafraum kurzzeitig behandelt werden, konnte aber weitermachen (30.). Fünf Minuten später köpfte Mwene die Kugel knapp am linken Pfosten vorbei (35.). Dass die Fohlen in der Defensive ihre Hauptschwäche haben, ist in der Bundesliga mittlerweile bestens bekannt.

Und die Gäste aus Mainz nutzten das in der Nachspielzeit gnadenlos aus. Caci konnte von rechts unbedrängt nach innen flanken, in der Mitte lief Becker ein, vier Borussen staunten nur, und nickte die Hereingabe aus elf Metern oben rechts zum 1:2 in den Knick. Vier Minuten später fiel fast noch das dritte Gegentor, aber Nicolas war beim Schuss von Becker zur Stelle (45.+6). So ging es mit einem 1:2 aus Sicht der Borussen in die Kabinen. Und das, weil man sich defensiv eben abermals haarsträubend anstellte.

Diks verschießt vom Punkt, Lidberg besorgt den Ausgleich

Zum zweiten Durchgang kamen beide Teams unverändert aufs Feld. Ändern musste sich allerdings das Auftreten der Borussen – defensiv wie offensiv. Viel los war auf beiden Seiten nach Wiederanpfiff zunächst nicht.

Bis zur 57. Minute. Schiedsrichter Hartmann schaute sich nach VAR-Hinweis nochmal eine Szene von kurz zuvor an. Tietz hatte die Kugel nach einer Ecke klar mit der Hand berührt. Hartmann sah das auch so und entschied auf Strafstoß. Diks trat an, semmelte die Kugel aber an den rechten Pfosten (56.).

Drei Minuten später stand der Borussia-Park dann aber Kopf. Ullrich flankte das Leder rechts im Sechzehner butterweich auf Hüfthöhe nach innen, in der Mitte lauerte Lidberg und versenkte die Kugel zum 2:2-Ausgleich in den Maschen (59.).

In dieser Phase war es ein komplett offenes Spiel. Beide Teams agierten mit offenem Visier und wollten den Sieg. Zudem war ordentlich Feuer drin, es ging in den Zweikämpfen richtig zur Sache. Dann gab es Wechsel auf beiden Seiten und das Spielgeschehen hatte sich etwas beruhigt. Bei zwei weiteren Möglichkeiten für die Gäste passte Nicolas auf (69., 70.).

Gladbach kassiert Gegentor drei und vier

Kurze Zeit später konnte der Gladbacher Schlussmann jedoch nichts ausrichten. Nach einem hohen Ball hinter die letzte Reihe setzte sich der eingewechselte Martel gegen Lidberg im Kopfballduell durch und versenkte die Kugel im Gladbacher Gehäuse (78.). Wieder herrschte Ratlosigkeit in den Gesichtern der Borussen, die zwar mehr kämpften als in vorherigen Auftritten, doch defensiv gewohnt löchrig blieben. 

Das führte schließlich zum vierten und letzten Gegentor am Samstagnachmittag. Nach einer Ecke kam der ebenfalls eingewechselte Da Costa an den Ball, den er, von Ullrich abgefälscht, in den Maschen versenkte. Es wurde letztlich als Eigentor des Gladbachers gewertet (89.). Damit stehen die Borussen bei 16 Gegentoren nach vier Spielen – Negativrekord in der Vereinsgeschichte. Nun strömten die Massen von der Tribüne Richtung Ausgang. 

Dabei verpassten sie den dritten Treffer der Borussen. Wieder war es ein Handspiel, diesmal von Martel, doch unmittelbar vor der Ausführung gab es Diskussionen darum, wer den Strafstoß treten darf. Machino behauptete sich gegen Diks, der darüber alles andere als erfreut schien, doch der Japaner verwandelte die Kugel zum 3:4 (90.+5). Das erzeugte ein Aufbäumen, das jedoch ohne weiteren Treffer endete. 

Was nimmt Gladbach also mit von der Partie? Es war die vierte Niederlage im vierten Spiel, dennoch war das Auftreten ein anderes. Die Borussen kämpften bis zum Schluss, zeigten aber defensiv dieselben Schwächen wie zuvor. Ohne Punkte muss der neue Mann an der Seitenlinie beginnen – auf ihn wartet einiges an Arbeit. 

Die Kurzstatistik zum Spiel:

Borussia Mönchengladbach: Nicolas – Itakura (84. Hack), Diks, Leszczyński – Scally (76. Hashioka), Neuhaus (64. Mohya), Sander, Ullrich – Honorat (76. Stöger), Bolin (84. Machino), Lidberg

Weiter im Kader: Batz (ETW), Chiarodia, Herold, Nguefack

1. FSV Mainz 05: Schwolow – Posch, Gruber, Potulski – Caci (65. da Costa), Sano, Mwene – Amiri, Lee (65. Martel) – Becker (76. Königsdörffer), Tietz

Weiter im Kader: Kinzig (ETW), Bell, Nakuzola, Maloney, Ruoppi, Hollerbach

Tore: 1:0 Neuhaus (12.), 1:1 Tietz (18.), 1:2 Becker (45.+1), 2:2 Lidberg (59.), 2:3 Martel (78.), 2:4 Da Costa (88.), 3:4 Machino (FE, 90.+5)

Gelbe Karten: Ullrich, Honorat, Neuhaus, Stöger, Mohya, Machino / Posch, Mwene, Potulski, Schwolow, Königsdörffer

Bes. Vorkommnisse: Diks verschießt Handelfmeter (57.)

Schiedsrichter: Robert Hartmann (Wangen im Allgäu)

Stadion: 50.717 (ista-Borussia-Park)