Die Fohlen trauerten den guten Möglichkeiten in Halbzeit eins hinterher. Foto: Dirk Päffgen
Die Englische Woche hat bei Borussia Mönchengladbach spürbar Kraft gekostet, gegen den SC Paderborn reichte es am Ende nur zu einem torlosen Remis. Während die Fohlen den vergebenen Chancen aus der ersten Halbzeit nachtrauerten, rückten die Verantwortlichen vor allem die defensive Stabilisierung und das erste Zu-Null-Spiel der Bundesliga-Saison in den Vordergrund. Die Belastung der vergangenen Tage war deutlich spürbar, dennoch sah man durchaus positive Ansätze. Zwischen verpasstem Heimsieg und einem kleinen Schritt nach vorne bleibt die Erkenntnis, dass Borussia auf den jüngsten Entwicklungen aufbauen muss.
Es war eine kräftezehrende Woche für Borussia Mönchengladbach: Mit drei Spielen binnen acht Tagen spulten die Gladbacher eine ordentliche Englische Woche ab. Und genau das merkte man vor allem in der zweiten Halbzeit beim Spiel gegen den SC Paderborn. »Es war das dritte Spiel innerhalb kurzer Zeit, und vielen Spielern steckten die Minuten in den Beinen«, sagte Trainer Alexander Blessin. Genau das merkte man, denn die Hausherren schafften es nicht mehr, regelmäßig für Entlastung zu sorgen. »In der Summe geht das Unentschieden in Ordnung«, fand Blessin.
Eine kräftezehrende Partie
Dass von der Bank aktuell die frischen Kräfte fehlen, liegt vor allem auch an der Vielzahl der Verletzten. Daher bat Rouven Schröder noch um etwas Geduld. Denn es ist logisch, dass die Rückkehrer nicht direkt bei einhundert Prozent sind. »Fakt ist, wenn man länger raus war, reichen die Körner vielleicht nur für 15 Minuten. Es ist klar, am Beispiel von Jens Castrop und Niklas Kühn, dass sie nicht sofort voll da sind. Ihre Positionen sind sehr laufintensiv und wir müssen sie langsam wieder ranführen.«
Schröder sprach nach der Partie sogar von einem »Abnutzungskampf«. Es war, das konnte man im Vorfeld erwarten, eine zähe Angelegenheit und Abstiegskampf pur. Borussias Sportdirektor haderte aber auch mit den vergebenen Möglichkeiten im ersten Durchgang, denn dort hätte die Borussia durchaus das Spiel auf ihre Seite ziehen können. »Wir hatten in der ersten Halbzeit die klareren Chancen. Die muss man in so einem Abnutzungskampf dann auch nutzen, um das Spiel zu gewinnen.« Der 51-Jährige wusste aber auch richtig einzuordnen, dass die Paderborner im zweiten Spielabschnitt »bestimmend waren, ohne dass wir die ganz großen Chancen zugelassen haben.«
Fohlen trauern Chancen nach
Mit den vergebenen Chancen haderte auch Wael Mohya, der im Vergleich zum Pokalspiel wieder in die Startelf zurückkehrte. Für ihn war es ein »unangenehmes Spiel und ein harter Kampf, vor allem um die zweiten Bälle«. Genau diese gewannen die Ostwestfalen im zweiten Durchgang immer mehr, fanden aber für die gut stehende Defensive der Fohlen kein Mittel. Immerhin blieben die Borussen im achten Bundesliga-Spiel erstmals ohne Gegentor, das sollte definitiv hervorgehoben werden und ist der Handschrift von Blessin zuzuschreiben.
»Wir haben es geschafft, zu Null zu spielen. Darauf können wir aufbauen«, kommentierte Daniel Batz. Die etatmäßige Nummer zwei stand etwas überraschend im Tor, da Moritz Nicolas noch immer mit muskulären Problemen kämpfte. Der 35-Jährige Neuzugang machte seine Sache, wie schon im Pokal, mehr als ordentlich und war ein extrem zuverlässiger Vertreter. Sein Fazit: »Natürlich sind wir ein bisschen enttäuscht, dass wir nur 0:0 gespielt haben. In der zweiten Halbzeit hatten wir mehr Probleme, weil die Paderborner ihre Abwehrkette gut gebunden haben. Mit seinen langen Bällen hat ihr Torwart uns immer wieder ein Stück weit zurückgedrängt. Wir waren dadurch nicht mehr ganz so zwingend und hatten keine klare Torchance mehr wie noch kurz vor der Halbzeit. Am Ende müssen wir den Punkt mitnehmen.«
Für Philipp Sander war das Ergebnis auch ein »Schritt in die richtige Richtung«. Auch er wusste, dass das Ergebnis vielleicht nicht ganz den Spielverlauf widerspiegelte und mehr drin gewesen wäre. »Wir haben – abgesehen von Standardsituationen – defensiv sehr wenig zugelassen. Das nehmen wir definitiv mit in die nächsten Wochen. Ein Zu-Null-Spiel ist uns in dieser Saison bisher noch nicht gelungen. Das können wir auf jeden Fall positiv sehen. Wir haben gut verteidigt und phasenweise auch wieder Druck aufgebaut. Gerade in der ersten Halbzeit waren genügend Chancen da, um in Führung zu gehen. Es ist sehr schade, dass uns das nicht gelungen ist.«
Dem Positiven mehr Bedeutung schenken
Borussia muss in dieser schwierigen Phase der Saison aber die positiven Aspekte mitnehmen und ihnen eine große Bedeutung schenken. Auch wenn sich ein Großteil des Borussia-Parks am Samstagnachmittag ein anderes Ergebnis gewünscht hätte, bestätigte das Unentschieden den leichten Aufwärtstrends. Noch vor zehn Tagen standen die Fohlen mit ganz leeren Händen da. Nun haben sie es binnen kurzer Zeit geschafft, wieder Selbstvertrauen zu tanken und sich defensiv zu stabilisieren. Genau darauf müssen die Verantwortlichen aufbauen und bereits am Freitagabend bei der schweren Aufgabe in Hamburg weitermachen.

