Jan-Moritz Lichte: »Guardiola? Spannend zu sehen, wie er arbeitet«

Co-Trainer Jan-Moritz Lichte kam aus Manchester zum VfL. Foto: Dirk Päffgen

Neben Markus Gellhaus ist auch Jan-Moritz Lichte neu im Trainerteam von Borussia Mönchengladbach. Am Tegernsee sprach der 46-Jährige unter anderem über seine Rückkehr nach Deutschland und den Wechsel zur Borussia, die Arbeit bei Manchester City, Pep Guardiola und seine Rolle im Trainerteam um Cheftrainer Eugen Polanski.

Jan-Moritz Lichte über:

… das Zustandekommen seines Wechsels zur Borussia:

Ich habe in England gelebt, meine Familie ist in Deutschland geblieben. Es war so, dass meine Zeit in England auslief – nicht in dem Sinne, dass mein Vertrag einfach ausgelaufen wäre, sondern dass ich nach zwei Jahren einfach das Gefühl hatte, dass ich wieder näher an die Familie möchte. Ich wollte gerne zurück nach Deutschland. Das waren ab dem Winter meine Gedankenspiele. Dann kam irgendwann Rouven Schröder auf mich zu und sagte, dass wir uns unterhalten müssten und fragte mich, ob ich mir prinzipiell etwas vorstellen könnte. Dann haben wir Gespräche geführt und ich habe mit Eugen gesprochen. Das waren insgesamt sehr gute Gespräche. Mit Rouven habe ich eine gemeinsame Vergangenheit, wir kennen uns. Ich glaube, er weiß, was er bekommt. Das war für mich auch wichtig. Er schätzt das, was er von damals kennt.

… das, was er ins Trainerteam einbringen möchte:

Ich hoffe, meine Erfahrung und meine Art. Ich möchte dafür sorgen, dass ich im Endeffekt alles, was ich zu bieten habe, jeden Tag zur Verfügung stelle – dem Trainerteam, den Spielern und natürlich auch dem Verein. Aber erst einmal geht es im kleinen Rahmen um das Trainerteam. Alles, was wir auf dem Schläger haben, werden wir versuchen einzubringen.

… die Wichtigkeit des gemeinsamen Austauschs zu Beginn: 

Ich glaube, gerade zu Beginn ist es extrem wichtig, dass du dich als Trainer wirklich über alles austauschst und nicht schon zu früh zu viele Verantwortlichkeiten verteilst, weil es ein Abstimmungsprozess ist. Wir sind jeden Tag zusammen. Deshalb ist es meiner Meinung nach extrem wichtig, dass wir, wie Markus gesagt hat, wirklich über jede Kleinigkeit gemeinsam sprechen und nicht zu früh Aufgaben verteilen.

… die eventuelle Rolle als Cheftrainer:

Ich habe in einer sehr interessanten Corona-Zeit als Cheftrainer hineingeschnuppert. Da ist man irgendwo in etwas hineingerutscht, was so nicht geplant war und was dann punktemäßig auch nicht funktioniert hat. Das muss man so sagen. Dieser Bereich als Co-Trainer wird einfach unterschätzt. Du kannst dich wirklich auf Fußball fokussieren. Im Normalfall macht man einmal so eine Medienrunde wie hier und dann ist alles gesagt. Man kann sich einfach jeden Tag auf Fußball fokussieren und konzentrieren. Ich habe auch noch ein paar andere Jobs in Akademiebereichen gehabt, die ich ebenfalls gerne gemacht habe. Ich habe gerne mit Trainern in diesem Bereich zusammengearbeitet. Ich mache gerne Fußball. Als ich irgendwann die Chance hatte, hauptamtlich im Fußball zu arbeiten, war das für mich der Schritt. Ich wollte das gerne und das mache ich seitdem.

Wenn die Aufgabe für mich spannend ist, möchte ich sie gerne machen. Diese Aufgabe finde ich sehr spannend und ich möchte sie gerne machen. Ich genieße es, diesen Co-Trainer-Posten täglich zu haben. Das ist schon ein Unterschied zu einer Nationalmannschaft. Ich genieße es, mit den Jungs aus dem Trainerteam im Büro zu sitzen, sich auszutauschen und zu überlegen, wie man von Markus’ Erfahrung profitieren kann und wie man von Eugens Erfahrung profitieren kann. Das war eigentlich immer das, was ich am liebsten gemacht habe: In einem Trainerteam zu sitzen, sich mit Fußball zu beschäftigen und irgendwo etwas zu lernen – und manchmal bei manchen Menschen auch zu lernen, wie man es nicht machen sollte.

… seine Aufgaben bei Manchester City gemacht:

Head of Coaching hieß der Job. Ich war für die drei ältesten Mannschaften verantwortlich, also für die U16, U18 und U21. Dabei ging es zum einen um die Trainerentwicklung, zum anderen aber auch um die Entwicklung der Spielvision und die Umsetzung der Spielidee von Manchester. Natürlich ging es auch um die Spielerentwicklung.

… über die Zusammenarbeit mit Pep Guardiola: 

Ich war sehr dankbar, dass ich das Training anschauen konnte und die Freiheit hatte, ein Trainerteam beobachten zu dürfen. Auch im zweiten Jahr war es nicht nur Pep, sondern auch Pepijn Lijnders, dem wir natürlich alle alles Gute für seinen neuen Job wünschen. Zu sehen, wie sie es machen und was sie machen, ist natürlich spannend. Trotzdem glaube ich: Wenn du im Akademiebereich angesiedelt bist, hat man vor allem auch von der Erfahrung der Jungs gelebt, die dort schon lange dabei waren. Also von Trainern, die zehn oder zwölf Jahre in diesem Bereich Jugendliche ausgebildet haben – von Kindern über Jugendliche bis hin zu jungen Erwachsenen – und von der Art und Weise, wie sie es machen. Da habe ich viel gelernt. Aber ich habe auch viel gelernt, weil ich dort mit einem anderen Cheftrainer zusammengearbeitet habe. Und ich habe von anderen Co-Trainern viel gelernt. Wenn man so eng zusammenarbeitet, dann lernt man einfach von Menschen.

… Besonderheiten, die er aus der Arbeit in England mitgenommen hat:

Wenn man die Profis in Manchester betrachtet, haben sie natürlich eine Spielfrequenz, bei der man sich schon die Frage stellen müsste, warum man dann noch zweimal am Tag trainieren sollte. Ich glaube, vieles ist kulturell bedingt. Es hängt natürlich auch mit der Anzahl der Spiele zusammen, die dort gespielt werden. Im Akademiebereich war meine Erfahrung, dass viel im Kraftraum gearbeitet wurde. Das war für mich auffällig. Es gibt immer kulturelle Unterschiede. Trotzdem glaube ich, dass man am Ende das finden muss, was passt. Natürlich ist auch auffällig, dass im Profibereich die öffentlichen Trainingseinheiten praktisch gen null gehen.

… die vielen VfL-Fans am Tegernsee: 

Ich glaube, das ist einfach eine andere Kultur. Wir merken es ja auch, wenn die Fans hier zum Trainingslager anreisen. Das ist schon etwas Besonderes. Auch die Anzahl der Fans und das Interesse der Fans daran, sich wirklich jede Trainingseinheit anzuschauen, ist beeindruckend.vDafür muss man auch dankbar sein. Das ist einfach ein kultureller Unterschied.

… seine bisherige vielfältige Arbeit und die Erfahrung daraus:

Von einer Akademie zu sprechen, ist für die damalige Zeit eigentlich schon groß formuliert. André Schubert war der einzige Hauptamtliche und musste mich dann holen, weil wir, glaube ich, einen zweiten brauchten. Die DFL oder der DFB – ich weiß nicht mehr, wer es damals war – hatte gesagt, dass wir einen zweiten hauptamtlichen Mitarbeiter brauchen. Da hatte ich Glück, dass ich dieser Zweite war. Natürlich lernt man einen Verein dadurch auf verschiedenen Ebenen kennen. Aber bei einem damals noch eher kleineren Verein war alles sehr eng miteinander verbunden. Deshalb glaube ich schon, dass es interessant ist, verschiedene Bereiche eines Vereins kennenzulernen. Die Fokussierung als Co-Trainer auf den Fußball ist aber entscheidend. Ich glaube, man sollte nicht zu sehr das Gefühl haben: Da muss ich noch einmal gucken, dort muss ich noch einmal sprechen, beim Marketing möchte ich noch vorbeikommen und die Presseabteilung möchte ich jeden zweiten Tag in ein Gespräch verwickeln.

… die Stärken von Markus Gellhaus und die Aufgabenverteilung im Trainerteam:

Ich glaube, wir haben beide ein relativ großes Paket anzubieten, weil wir unheimlich viel bei unterschiedlichen Vereinen und mit unterschiedlichen Co-Trainer-Kollegen gearbeitet haben. Dabei mussten Aufgaben immer wieder unterschiedlich aufgeteilt werden und man musste schauen, wie es am Ende am besten passt. Wir arbeiten jetzt zum ersten Mal zusammen. Wir kannten uns allerdings schon vorher. Die Anekdote dazu ist: Markus hat meinen Fußball-Kurs an der Universität Paderborn geleitet. Ich weiß nicht mehr, wie gut ich abgeschnitten habe, aber ich erinnere mich daran. Ich meine, ich habe gehört: sehr gut. Deshalb glaube ich, dass wir im Moment noch dabei sind, die Aufgaben aufzuteilen und herauszufinden, was am besten passt. Erst einmal geht es darum, dass wir gemeinsam eine Sprache im Fußball sprechen. Das ist, glaube ich, das Wichtigste. Danach machen wir die nächsten Schritte.