Rekord-Schweizer geht: Leeds United lockt Nico Elvedi auf die Insel

Nico Elvedi verlässt die Borussia nach elf Jahren in Richtung England zu Leeds United. Foto. Dirk Päffgen

Im Juni meldeten erste Medien vom Interesse von Leeds United an Nico Elvedi. Zwischenzeitlich wurde es ruhiger um den Schweizer, nun geht er nach elf Jahren am linken Niederrhein den Schritt Richtung Premier League und schließt sich Leeds United um Ex-Gladbach-Coach Daniel Farke an. Die Details.

Die Ernennung zum Vizekapitän konnte nichts mehr an seiner Entscheidung ändern. Nico Elvedi, Borussias „Rekord-Schweizer“ mit 364 bestrittenen Pflichtspielen – noch 29 mehr als Yann Sommer – verlässt Borussia Mönchengladbach und schließt sich zur kommenden Saison Leeds United an. Bereits am Samstag bei der Generalprobe gegen Aston Villa (2:1) stand der Schweizer bereits nicht mehr im Kader. Am Montag reiste der 29-Jährige dann nach England, um die medizinischen Untersuchungen zu durchlaufen und um anschließend den Vertrag zu unterzeichnen.

»Bedanken uns ausdrücklich für alles, was Nico für Borussia geleistet hat«

Für Elvedi soll der Klub von Ex-Gladbach-Trainer Daniel Farke laut BBC zunächst eine Ablöse in Höhe von rund 8 Millionen Euro nach Gladbach überwiesen. Zudem sind rund 2 Millionen Euro an Bonuszahlungen möglich. Zusätzlich hat sich Borussia laut ‚Sky‘ eine Weiterverkaufsbeteiligung in Höhe von 15 Prozent gesichert. Der 29-Jährige  unterschreibt bei den Weißen einen Vertrag bis 2029.

»Man muss zwar vorsichtig mit dem Wort sein, aber Nico Elvedi ist eine echte Borussia-Legende! Elf Jahre im Verein, 364 Pflichtspiele, stets Leistungsträger und ein Leader ohne viele Worte. So ein Verlust schmerzt, sportlich und menschlich. Doch es war Nicos ausdrücklicher Wunsch in seiner Karriere noch einmal eine neue Herausforderung zu suchen«, erklärt Rouven Schröder. »Bei einem Spieler mit seinen Verdiensten, der sich auch in dieser Angelegenheit immer absolut vorbildlich verhalten hat, gebietet es der Respekt diesem Wunsch zu entsprechen, sofern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen. Dieses Szenario ist jetzt eingetreten. Wir bedanken uns ausdrücklich für alles, was Nico für Borussia geleistet hat, und wünschen ihm für die Zukunft nur das Beste!«

Gladbach: Polanski hätte Elvedi gern behalten

In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Gerüchte um einen Elvedi-Wechsel, jedes Mal jedoch scheiterte ein solcher – wohl auch, weil das bislang passende Angebot fehlte. So kamen insgesamt elf Jahre und 364 Pflichtspiele zusammen, die der Schweizer seit seinem Wechsel vom FC Zürich im Sommer 2015 im Fohlentrikot sammelte, in dieser Zeit erzielte er 19 Treffer für Borussia. Und mit 29 Jahren winkt mit dem Leeds-Wechsel eine der wohl letzten großen Chancen, seinen Traum von der Premier League zu verwirklichen. 

Dass Polanski seinen Vize-Kapitän gerne behalten hätte, daraus hat er in den vergangenen Wochen keinen Hehl gemacht – ebenso wenig wie Kevin Diks, der Seite an Seite mit Elvedi in die neue Saison gehen wollte. Es bestand allerdings Handlungsbedarf: Nur noch bis zum nächsten Sommer besaß sein Vertrag Gültigkeit, Verlängern oder Verkaufen lautete die Devise, mit der Schröder konsequent und richtig handelte.

Elvedi vs. Netz an Spieltag 1 – »Es fällt mir schwer, diesen Schritt zu machen«

Verständlich ist die Entscheidung des Schweizers dennoch, stets fair und loyal hat er sich dem Verein gegenüber verhalten, und nicht weniger als das Beste ist ihm für seine neue Aufgabe auf der Insel zu wünschen.

»Ich bin als 18-Jähriger zu Borussia gekommen, ohne zu wissen was mich erwartet. Und dann durfte ich so viele besondere Momente erleben, habe unglaublich viele tolle Menschen kennengelernt und Freunde fürs Leben gefunden. Der Verein ist mir wirklich ans Herz gewachsen und wie eine Familie für mich«, sagt Elvedi. »Es fällt mir schwer, diesen Schritt zu machen, aber ich habe das Gefühl noch einmal etwas Neues erleben zu wollen. Ich möchte Danke sagen für die Zeit, die mich sehr geprägt hat, in der ich erwachsen geworden bin. Besonderer Dank gilt dabei den Fans, die mich immer unterstützt haben. Ich werde weiterhin genau beobachten was bei Borussia passiert und alles daransetzen, mich noch einmal persönlich von den Fans zu verabschieden.«

Und der erste Einsatz in der Premier League könnte gleich zu einem Wiedersehen zweier Ex-Borussen führen. Am ersten Spieltag der Saison 2026/27 trifft Leeds United am kommenden Samstag auf Nottingham Forrest mit Luca Netz. Bleibt abzuwarten, ob Daniel Farke Elvedi dann direkt auflaufen und zu seinem Debüt kommen lässt.

Ko Itakura ersetzt Elvedi – Diks neuer Vize-Kapitän?

Unterdessen ist klar, dass Ko Itakura die Nachfolge des Schweizers antritt und bei den Borussen in Zukunft an der Seite von Kevin Diks verteidigen wird. Die Borussen holten den Japaner von Ajax Amsterdam zurück an den Niederrhein. Neben dem 29-Jährigen galten auch Diogo Leite (zuletzt Union Berlin), Phil Neumann (29, Birmingham City) und Roggerio Nyakossi (22, OH Leuven) als mögliche Kandidaten. Erst vor wenigen Tagen alt eine Rückkehraktion von Itakura noch als nur schwer realisierbar.

Doch dann kam es anders, als man vermutet hatte und Schröder holte den Fan-Liebling zurück nach Gladbach. Der Sportchef hatte bereits angekündigt, dass man bei einem Elvedi-Abgang noch einmal auf den Transfermarkt tätig werden wird. Borussias „Head of Sports“  hat das nun umgesetzt und in dem Japaner einen Qualitätsspieler geholt, der schon eine gewisse Klasse mitbringt, Erfahrung hat und sofort einspringen kann, wenn im Abwehrzentrum Not am Mann ist. Zudem kennt der 29-Jährige den Klub und das Umfeld genau und braucht keinerlei Eingewöhnung.

Diese läuft bei Jan Leszczyński bisher hervorragend. Der Neuzugang aus Warschau hat in der Vorbereitung mehr als überzeugt und ist durchaus eine mögliche Alternative in der Viererkette. Gut möglich, dass der 19-Jährige also zumindest zunächst im Pokalspiel beim TSV Schott Mainz an der Seite von Kevin Diks beginnt.

Apropos Diks. Der indonesische Nationalspieler übernahm gegen den Europa League-Sieger aus England die Kapitänsbinde, als Kleindienst nicht mehr auf dem Feld war. Gut möglich also, dass der 29-Jährige neuer Vize-Kapitän wird. Wer dann für Elvedi in den Mannschaftsrat rückt, wird sich zeigen. Vielleicht ja Itakura. Der Japaner gehörte diesem 2023 unter Ex-Coach Gerardo Seoane für eine Saison an.