Philipp Sander »Die Gegner sollen das Gefühl haben: Heute wird es richtig eklig«

Philipp Sander im Training von Borussia Mönchengladbach im Trainingslager am Tegernsee.

Im Trainingslager am Tegernsee sprach Philipp Sander über seine Rückkehr nach Rostock, seine Führungsrolle, den Systemwechsel und die neue Intensität, die die Fohlen in der Saison 2026/27 auf den Platz bringen wollen.

Nach dem Testspiel beim FC Hansa Rostock bereitet sich Borussia Mönchengladbach derzeit im Trainingslager in Rottach-Egern auf die neue Spielzeit vor. Philipp Sander gehört dabei zu den Spielern, die auf und neben dem Platz Verantwortung übernehmen sollen. Im Gespräch mit den Medien sprach der 27-Jährige ausführlich über seine Aufgaben innerhalb der Mannschaft, den Konkurrenzkampf sowie die Ziele für die kommende Saison.

Philipp Sander über:

... die Rückkehr nach Rostock:

Schön, war nicht das erste Mal. Ich glaube, ich habe da jetzt schon drei oder vier Mal gespielt. Damals ging es dann auch jedes Mal um Punkte. Jetzt so in dem Rahmen mit einem Freundschaftsspiel. Meine Familie war da, mein Opa war das erste Mal seit 20 Jahren wieder im Stadion. War ein besonderer Tag für mich. Schön, immer wieder in der Heimat zu sein. Spiel gewonnen und von daher alle gesund geblieben, das ist das Wichtigste.

…seinen Opa als größten Kritiker: 

Ja, das stimmt. Aber ich glaube, der war einfach begeistert, mal wieder Fußball zu gucken. Er hat sich mit der Kritik zurückgehalten.

… die Rolle als Führungsspieler:

Ich glaube, das gibt die Position natürlich auch mit einher, dass du sowohl nach links als auch nach rechts kommunizieren kannst. Ich glaube, wenn der Rechtsaußen mit dem Linksaußen sprechen will, ist das schon wieder ein bisschen schwieriger, gerade in einem vollen Stadion. Und trotzdem ist das sicherlich auch eine Position, die ich selbst einnehmen möchte. Es wird auch von mir erwartet, immer wieder zu kommunizieren und dass dann einfach auf dem Platz eine Achse da ist, wodurch dann jeder Mannschaftsteil auch erreicht wird.

In die Pflicht genommen weiß ich gar nicht. Ich glaube, das ergibt sich ein bisschen von alleine. Wenn du länger da bist, Strukturen kennst, Abläufe kennst, dann sollte das, glaube ich, auch einfach Teil des natürlichen Prozesses sein, dass du junge Spieler mit an die Hand nimmst oder neue Spieler, die das einfach noch nicht so gut kennen. Aber auch so einfach, wenn du auf dem Platz stehst, ist einfach wichtig, dass jeder Mannschaftsteil kommuniziert. Da fühle ich mich dann ganz automatisch in der Pflicht, ob das jetzt von außen gewollt ist oder nicht.

… seine Führungsrolle:

Ich glaube, es gibt unterschiedlichste Varianten, wie man am Ende vorweggeht und führt. Ich glaube, ich bin nicht derjenige, der jeden Tag eine emotionale Rede in der Kabine hält. Das wäre nicht ich. Ich glaube, wenn ich etwas zu sagen habe, dann weiß jeder, woran er bei mir ist. Ich glaube, ich kritisiere, kann aber auch Kritik annehmen und am Ende des Tages einfach mit gutem Beispiel vorweggehen – sowohl im Training als auch im Spiel – und sich einfach nicht schade sein, den extra Meter zu gehen. Gleichzeitig auch junge Spieler immer wieder mit an die Hand zu nehmen und Tipps zu geben. Ich weiß, wie es war, wenn früher ein älterer, erfahrener Spieler mit mir geredet hat. Dann habe ich das immer sehr gewertet und versucht, etwas mitzunehmen, ohne dabei natürlich meine eigene Aufgabe auf dem Platz zu vergessen.

… den Systemwechsel:

Ja, ist natürlich auch für mich wieder ein ganz anderes Spiel. In der letzten Kette kannst du dir keinen einzigen Augenblick erlauben, wenn der Gegner den Ball hat, abzuschalten. Dafür sind die Spieler vorne einfach zu gut. Im Zentrum grundsätzlich auch nicht, aber da hast du trotzdem noch einen Innenverteidiger, der vielleicht etwas auffangen kann. Dafür hast du im zentralen Mittelfeld natürlich 360 Grad um dich herum Mitspieler und Gegenspieler. Das war auf der Innenverteidigerposition öfter nicht so. Da wusstest du, hinter dir kommt nur noch der Torwart.

Viererkette oder Fünferkette – in der Defensivarbeit muss hinten einfach schneller durchgeschoben werden. Dafür hast du sowohl vorne als auch im Mittelfeld meistens einen Spieler mehr, der Druck aufbauen kann. Aber am Ende des Tages unterscheidet sich das nicht groß in der Art und Weise, wie wir den Gegner anlaufen. Das ist jetzt gerade noch Teil des Prozesses. Das wollen wir uns weiter erarbeiten. Grundsätzlich wird sich an der Ausrichtung trotzdem nicht viel ändern.

Philipp Sander darüber, ob das Problem  an der Fünferkette lag

„Ich glaube nicht, dass das Teil des Systems war. Ich glaube, das war eher Mentalität beziehungsweise vielleicht nicht genügend Selbstbewusstsein in den Momenten. Wir haben auch Spiele in der Fünferkette gehabt, wo wir vorne raufgepresst sind, ganz viele hohe Ballgewinne hatten und extrem dominant waren. Ich glaube, das hat nicht unbedingt immer etwas mit dem System zu tun, sondern einfach mit der Selbstverständlichkeit, die auf dem Platz stattgefunden hat oder eben nicht stattgefunden hat. Von daher kann man das nicht auf die Fünferkette schieben.“

… die Frage, wie wichtig ist das Pressing für das neue Spiel:

Sicherlich ist das auch ein Teil der Aufgabe, einfach aufgrund der Position an sich, da immer wieder die Momente zu erkennen, wann es sich vielleicht lohnt, nach vorne zu gehen. Wenn man aber vielleicht auch mal sagen muss, wir kriegen gerade keinen Druck auf den Ball. Ich bin zwar großer Freund davon, den Ball und den Gegner zu attackieren. Trotzdem muss man manchmal auch gucken, ob es gerade Sinn macht oder ob man sich damit eher sogar selber schadet. Da einfach ein gutes Gespür zu entwickeln, das ist sowohl auf der Position als auch dann in der Kommunikation nach vorne und nach hinten extrem wichtig.

… die Frage ob er sich als klassischen Sechser sieht:

Ich glaube, dafür muss ich die neuen Mitspieler gerade auch noch ein bisschen besser kennenlernen. Enzo ist jetzt gerade erst ins Training eingestiegen. Isak hat jetzt ein paar Tage gefehlt. Trotzdem würde ich sagen, dass die alle einen sehr kompletten Eindruck machen, von ihrer Art und Weise Fußball zu spielen. Klar gibt es dann sicherlich noch mal Spieler wie Stöger, der auf der Sechs einfach von seinem Naturell ein bisschen offensiver ist als ich vielleicht in meinem Spiel und sich noch mal über andere Dinge definiert. Ob ich da jetzt der klassische Sechser bin, das weiß ich nicht.

Erstes Jahr rum bei Borussia – Kevin Diks hat »genug Erfahrung und fühlt sich gut vorbereitet«

… den Konkurrenzkampf:

Konkurrenzkampf schärft die Sinne bei jedem Einzelnen. Da kann sich keiner ausruhen. Keiner hat eine Garantie zu spielen. Ich glaube, das ist wichtig. Ansonsten kommst du in eine Komfortzone rein. Das wollen wir nicht, das können wir nicht gebrauchen – auf keiner Position. Ich glaube, das ist auch von Anfang an schon in dieser Saison vorgegeben. Das ist die Art und Weise, wie wir arbeiten wollen. Von daher bin ich sehr froh, dass wir hohe Konkurrenz haben. Ich bin schon selbstbewusst genug, um zu sagen, ich habe den Anspruch zu spielen. Aber am Ende des Tages muss ich dafür Leistung bringen. Fußball ist ein Tagesgeschäft. Es bringt mir gar nichts, letztes Jahr eine gute Saison gespielt zu haben oder vor zwei Jahren oder vor drei Jahren. Wenn ich jetzt nicht performe, dann bringt mir das relativ wenig.

… die Rückkehr auf die Sechserposition: 

Ich bin nicht auf ihn zugegangen. Sicherlich ist die Sechs irgendwo mein Zuhause. Ich bin damit groß geworden auf der Position, habe aber auch immer gesagt, ich kann dieser Dreierkette beziehungsweise Fünferkette etwas abgewinnen. Ich habe mich da relativ gut reingefuchst, auch relativ schnell. Am Ende des Tages war für mich immer das Wichtigste zu spielen und das im Sinne der Mannschaft. Wenn wir damit erfolgreich gewesen wären, dann würde ich das dieses Jahr auch wieder machen. Trotzdem ist zum Ende hin kommuniziert worden, dass es wahrscheinlich eine Umstellung geben wird und ich dann auch wieder vorgezogen werde.

Die Sechs ist mein Zuhause – ja, nicht ganz richtig. Angefangen habe ich im offensiven Mittelfeld. Das war damals noch auf dem Kleinfeld. Da war ich noch schnell und die ersten Meter waren besser. Irgendwann hat sich das automatisch entwickelt. So wie viele im Sturm anfangen und später Innenverteidiger werden. Das muss irgendwann in der F- oder E-Jugend gewesen sein.

… das Auftreten in der neuen Saison:

Ich glaube, dass das Thema Intensität und auch ein bisschen Gier ein großes ist, auch in der Vorbereitung. Dass wir einfach topfit in die Saison gehen wollen. Dass wir darüber auch ein Zeichen setzen wollen – sowohl zu Hause vor den Fans als auch auswärts –, dass die Gegner einfach das Gefühl haben: Heute wird es mal richtig haarig, heute wird es richtig eklig. Und dann trotzdem natürlich auch mit vielen jungen Spielern eine gewisse Leichtigkeit zu haben in den Spielen und trotzdem in dem Bewusstsein, wir müssen uns Punkte erarbeiten. Ohne harte Arbeit wird das auf jeden Fall nicht klappen. Da einfach eine gute Mischung aus junger Leichtigkeit und Arbeitermentalität.

… die Arbeit des neuen Athletiktrainers und das Trainerteam aus:

Sicherlich eine ganz neue Komponente und trotzdem sehr angenehm. Er nimmt uns extrem gut mit in der Kommunikation mit der Mannschaft. Ich weiß auch, dass der eine oder andere Lauf vielleicht nicht immer Spaß macht. Aber er geht sehr klar mit uns um. Wir wissen, woran wir bei ihm sind. Von daher muss ich sagen, ist das bisher ein sehr positiver Eindruck. Jan Moritz übernimmt viel im offensiv-taktischen Bereich, hat klare Abläufe und klare Ideen, die er dem Trainer mit an die Hand gibt und immer wieder neue Sachen mit reinbringt. Andersrum ist Geldhaus genauso ein lautstarker Typ. Ich glaube schon, dass da von der Kommunikation eine andere Dynamik herrscht, was uns bisher auch gut tut und immer wieder ins Training integriert wird. Von daher auch da beidseitig bisher ein sehr positiver Eindruck.

… die drei Neuzugänge:

Enzo hat jetzt bei einer sehr ballbesitzlastigen Mannschaft gespielt bei Hannover. Es ist jetzt nicht davon auszugehen, dass wir mit Gladbach dieses Jahr jedes Spiel 70 Prozent Ballbesitz haben. Ich glaube, das erfordert dann einfach ein anderes Spiel. Aber da ist Enzos Spiel intelligent genug, um da einfach selbst den Switch hinzubekommen. Isak merkst du einfach an, dass er sehr körperlich stark ist. Er ist extrem gut darin, Bälle abzuschirmen. Ich glaube, das ist eine Qualität. Wenn du die in der zweiten Liga hinbekommst, dann kriegst du sie auch auf Erstliga-Niveau hin. Sicherlich wird da noch mal der eine oder andere Panzer kommen, der dich vielleicht noch ein bisschen mehr fordert. Aber auch da gilt: Learning by Doing. Ich traue den Jungs den Sprung komplett zu. Da mache ich mir gar keine Sorgen. David muss natürlich jetzt fit werden. Er hat jetzt ein bisschen gefehlt. Aber auch da ist noch genügend Zeit bis zum Punktspielstart. Von daher glaube ich, sind die Jungs bisher ganz gut dabei. Wenn ich das Gefühl habe, ich kann ihnen irgendwelche Tipps geben, dann mache ich das natürlich auch in der Kabine.“

Tim Kleindienst: »Wir müssen deutlich intensiver spielen, unangenehm und eklig sein«

… das Saisonziel: 

Grundsätzlich bin ich schon ein Freund davon. Ich glaube, dafür ist es aktuell in der Vorbereitung noch ein bisschen zu früh. Wir haben bisher vernünftige Testspiele gehabt, aber auch der eine oder andere richtige Gradmesser kommt noch. Danach lässt sich das alles noch einmal ein bisschen anders bewerten. Trotzdem sind Testspiele Testspiele. Am Ende des Tages ist das jetzt die dritte beziehungsweise Anfang der vierten Woche in der Vorbereitung. Ich glaube, dann setzen wir uns auch noch einmal intern zusammen. Wenn dann ein Ziel formuliert wird, dann bekommt ihr das, glaube ich, schon früh genug mit.

… eine eventuelle Rolle als Vizekapitän: 

Das wird der Trainer entscheiden. Ich habe jetzt kein Bewerbungsschreiben ausgestellt. Das ist nichts, worüber ich mich definiere. Wenn das so kommt, dann kommt das. Aber auch da glaube ich wieder, dass das auf eine natürliche Art und Weise passieren sollte. Ich werde jetzt nicht zum Trainer gehen und sagen: Trainer, ich hätte gerne, falls Tim Kleindienst mal ausgewechselt wird, die Binde. Entweder sieht er mich in der Rolle oder eben nicht. Wenn das so wäre, dann wäre das natürlich eine riesige Ehre und ich würde das sehr schätzen. Trotzdem würde sich für mich die Aufgabe gegenüber der Mannschaft nicht verändern.