Eugen Polanski hat in Rottach-Egern über diverse Themen gesprochen. Foto: Dirk Päffgen
Im Trainingslager von Borussia Mönchengladbach hat Eugen Polanski am Mittwoch über den Stand der Vorbereitung, die Neuzugänge, die zahlreichen Nachwuchsspieler, Florian Neuhaus, Hugo Bolin, die Kapitäns-Wahl und die Ziele für die neue Saison gesprochen. Wir haben seine Aussagen zusammengefasst.
Eugen Polanski über:
… die Nachwuchsspieler im Trainingslager:
Ich kenne die meisten der Jungs schon relativ lange. Edin Biber vielleicht am wenigsten von dieser Gruppe, trotzdem ist er mir auch bekannt. Oft ist es ja so, dass ein paar junge Spieler mit dazukommen, weil das Nachwuchsleistungszentrum sagt, dass sie gut sind. Ich glaube schon, dass wir sehr viele von diesen Spielern sehr gut kennen. Es hat sich bewahrheitet, warum sie dabei sind. Sie haben viel Qualität und machen es teilweise vom ersten Tag an gut oder spätestens jetzt gegen Ende der zweiten Woche.
Von den sechs Spielern fallen mindestens zwei, wenn nicht sogar drei, über den gesamten Zeitraum sehr stark auf. Mathieu Nguefack und Tyler Meiser geben uns etwas mit ihrer Jugendlichkeit, ihrer Intensität und ihrem Spielverständnis. Fritz Fleck wird immer stärker. Dillon Berko hatte am Anfang ein bisschen Probleme, aus sich herauszukommen. Das wird im Großspielfeld aber deutlich besser und man sieht, dass er auch auf diesem Niveau mithalten kann, wohlwissend, dass das noch kein Bundesliga-Niveau ist.
Mit Edin Biber haben wir einen spannenden Spieler, der eigentlich im offensiven Mittelfeld zuhause ist und eher notgedrungen auf der Linksverteidigerposition gespielt hat. Ich erwarte von ihm, dass er genau so damit umgeht, wie er es macht. Er sagt nicht, dass das nicht seine Position ist, sondern nimmt die Chance an, auf diesem Niveau etwas zu lernen. Die Jungs haben ihn gut aufgenommen. Tyler Meiser ist nachgerückt, weil Fabio Chiarodia verletzt ist. Wir kannten ihn ohnehin schon, weil er auch vergangene Saison häufiger mittrainiert hat. Jetzt hat er sich leider noch die Nase gebrochen. Insgesamt sind wir mit den jungen Spielern sehr zufrieden.
… über die Verpflichtung von Jan Leszczyński:
Ich weiß aus erster Quelle, dass Legia Warschau sehr traurig darüber ist, dass er den Verein verlassen hat. Gleichzeitig mussten sie ihn aufgrund ihrer finanziellen Möglichkeiten verkaufen. Genau da müssen wir als Borussia präsent sein. Wenn wir Spieler mit diesem Potenzial erkennen und gleichzeitig sehen, welche Entwicklungsmöglichkeiten sie besitzen, dann müssen wir handeln. Jetzt geht es darum, mit ihm an unseren Prinzipien, am Timing und an der Spielgeschwindigkeit zu arbeiten. Die Basis bringt er definitiv mit.
… über die Qualitäten von Jan Leszczyński:
Wir haben nach einem Innenverteidiger gesucht, der zunächst als Nummer drei oder vier aufgebaut werden kann und Entwicklungspotenzial besitzt. Schon auf den Videos fiel auf, dass er unglaublich beidfüßig ist. Er fühlt sich auf der linken Seite sogar wohler als auf der rechten, kann aber eben beide Positionen spielen. Er bringt eine sehr offensive Defensivhaltung mit. Er verteidigt mutig nach vorne und prescht häufig aus der Kette heraus. Manchmal passiert das noch im falschen Moment. Das ist eher seinem Ehrgeiz geschuldet. Er muss sich noch an die Trainingsintensität und die Spielgeschwindigkeit gewöhnen. Das sagt er aber selbst und kommt insgesamt sehr gut damit zurecht. Ich glaube, wir haben hier einen sehr aufgeschlossenen Jungen.
… die ersten Eindrücke der Japaner Daiki Hashioka und Zento Uno:
Bei uns müssen neue Spieler traditionell etwas vorführen. Hashioka hat sich nach nur einer Woche in Deutschland ein deutsches Lied ausgesucht und die deutschen Wörter wirklich tadellos vorgetragen. Das hat für richtig gute Stimmung gesorgt. Danach kam Cento Uno. Er hat weniger gesungen und dafür eine gut richtig Performance hingelegt. Die Stimmung war überragend. Mir ist so etwas extrem wichtig. Gerade junge Spieler schämen sich häufig ein wenig vor solchen Situationen. Die beiden Japaner dagegen wollten der Mannschaft bewusst etwas geben und nicht einfach nur schnell fertig werden. Das sagt viel über ihren Charakter aus.
… über Daiki Hashioka:
Ich glaube tatsächlich, dass seine größten Stärken als Rechtsverteidiger liegen. Dort hat er bei VV St. Truiden eine herausragende Saison gespielt. Man hat aber auch gegen Rostock gesehen, dass er als Innenverteidiger sehr gut funktionieren kann – und das nach nur einer Trainingseinheit. Er bringt Spielverständnis mit, verfügt bereits über Profi-Erfahrung und hat verschiedene Vereine kennengelernt. Ich glaube schon, dass er für uns ein echter Mehrwert ist.
… die Veränderungen im Kader:
Wir haben in diesem Sommer vieles verändert. Es ging aber nicht darum, bewusst Charaktere auszutauschen. Das ist vielmehr ein Prozess gewesen, der sich entwickelt hat. Wir hatten in den vergangenen Jahren immer viele gute Fußballer mit hoher technischer Qualität. Gleichzeitig haben wir gemerkt, dass Intensität künftig unsere Grundlage sein muss. Wir können heute nicht mehr dieselben Transfers tätigen wie früher. Deshalb brauchen wir Spieler, für die Borussia Mönchengladbach der nächste Entwicklungsschritt ist. Spieler, die sich hier beweisen wollen und zeigen möchten, dass der Verein mit ihrer Verpflichtung die richtige Entscheidung getroffen hat.
… die Veränderungen und neuen Impulse im Trainerteam:
Auch im Trainerteam hat sich einiges verändert. Toni Jantschke wollte wieder stärker in seine ursprüngliche Rolle zurückkehren. Mit Jan-Moritz Lichte kam ein Trainer hinzu, der bereits Cheftrainer war und zuletzt bei Manchester City gearbeitet hat. Außerdem haben wir Markus Gellhaus verpflichtet und Veränderungen im Athletikbereich vorgenommen. Es geht dabei überhaupt nicht darum, dass vorher jemand schlechte Arbeit geleistet hat. Manchmal braucht eine Mannschaft einfach neue Gesichter und neue Impulse.
… über die Führungsspieler:
Alle Neuzugänge haben bestätigt, dass wir sie nicht nur wegen ihrer fußballerischen Qualität verpflichtet haben, sondern auch wegen ihres Charakters. Sie bringen einen neuen Spirit in die Mannschaft. Gleichzeitig ziehen die Spieler, die schon länger hier sind, voll mit. Es gibt keine Zweiklassengesellschaft. Selbst bei besonders langen Trainingseinheiten hat sich kein Spieler beschwert. Alle ziehen gemeinsam mit.
… die Kapitäns-Wahl und den Mannschaftsrat:
Die Entscheidung steht kurz bevor. Ich hatte schon vor Saisonbeginn relativ klare Gedanken darüber, wie unsere Führungsstruktur aussehen könnte. Trotzdem wollte ich die ersten dreieinhalb Wochen nutzen, um die Mannschaft genau zu beobachten. Vieles hat sich so bestätigt, wie ich es erwartet hatte. Eigentlich könnte ich meine Entscheidung heute schon auf einen Zettel schreiben und ich glaube nicht, dass sich daran noch viel ändern wird. Trotzdem möchte ich das zuerst der Mannschaft mitteilen.
…den Schritt der Neuzugänge in die Bundesliga:
Natürlich ist der Schritt in die Bundesliga groß. Aber wenn ich an Hugo Bolin denke: Er kam aus Schweden und man hat überhaupt nicht gemerkt, dass er vorher noch kein Bundesligaspiel bestritten hatte. Genau das erhoffen wir uns auch bei den neuen Spielern. Entscheidend ist ihre Einstellung. Sie wollen beweisen, dass sie Spieler von Borussia Mönchengladbach sind. Mit Tim Kleindienst haben wir einen klaren Anführer. Die anderen sollen sich aber nicht hinter ihm verstecken, sondern sich an ihm orientieren und selbst Verantwortung übernehmen.
…das Ziel für die neue Saison:
Für mich beginnt alles mit einem anderen Auftreten. Wir wollen mehr Energie, mehr Aktivität, mehr Selbstverständnis und eine bessere Körpersprache zeigen. Viele Bundesligaspiele sind 50:50-Spiele. Genau dort wollen wir uns künftig besser präsentieren. Ich wünsche mir außerdem, dass sich die Mannschaft intern selbst Ziele setzt. Ob das nun Tabellenplätze oder andere Vorgaben sind, sollen die Spieler gemeinsam entscheiden. Für mich persönlich wäre das Minimalziel, den zwölften Platz aus der vergangenen Saison zu bestätigen – allerdings mit einer völlig anderen Art und Weise. Das schließt den Weg nach oben überhaupt nicht aus.
… die Entwicklung von Hugo Bolin:
Ich habe Hugo vom ersten Tag an als außergewöhnlich guten Spieler wahrgenommen. Er hatte kaum Anpassungsschwierigkeiten. Im Winter kam er praktisch direkt aus der Saison in die Bundesliga. Anfangs fehlte ihm manchmal noch das richtige Timing beim letzten Pass oder Abschluss. Mittlerweile belohnt er sich mit Toren und Assists. Genau diese Torgefahr erwarten wir von ihm, weil er die Qualität dafür besitzt.
… die Situation von Florian Neuhaus:
Es ist nicht meine Aufgabe zu bewerten, warum Florian unter früheren Trainern seinen Platz gefunden oder nicht gefunden hat. Er verhält sich aktuell genau so, wie ich mir das wünsche. Natürlich ist der Konkurrenzkampf groß. Gleichzeitig ist klar, dass wir mit aktuell 26 Feldspielern zu viele Spieler im Kader haben. Deshalb werden wir mit einigen Spielern ehrliche Gespräche führen müssen. Florian Neuhaus ist aktuell ganz normales Mitglied unseres Kaders. Er arbeitet gut mit und merkt genauso wie alle anderen, dass bei uns inzwischen ein anderer Ton herrscht und wir andere Anforderungen an uns selbst stellen.

